Unsichtbare Zahnspange – Vorteile, Nachteile und Behandlungsablauf

Unsichtbare Aligner-Schienen liegen aktuell im Trend und dienen als Alternative zu festen Zahnspangen. Hier erfährst du, welche Vorteile und Nachteile die durchsichtigen Zahnspangen haben.

Was sind Aligner-Schienen?

Aligner-Schienen verschiedener Hersteller trägt man idealerweise 22 Stunden pro Tag im Mund. Das dünne, transparente Material ist nahezu unsichtbar. Als Alternative zu den herkömmlichen festen Zahnspangen können sie bei Jugendlichen und Erwachsenen leichte bis mittelgradige Zahnfehlstellungen korrigieren. Zu eng stehende oder schiefe Zähne, Zahnlücken und Bissverschiebungen lassen sich innerhalb von 6 bis 24 Monaten loswerden. Allerdings übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten in der Regel nicht, die je nach individuellem Kostenplan ähnlich den festsitzenden Brackets bei mehreren Tausend Euro liegen können.

In diesem Interview mit dem Zahnarzt und Spezialisten für Zahnfehlstellungen Dr. Jörg Hannesschläger erfährst du mehr über die Zahnspangen-Technik, die 3D-Planung und die Vor- und Nachteile unsichtbarer Zahnspangen.

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Unsichtbare Aligner statt herkömmlicher Zahnspange

Bei Kindern sind Zahnkorrekturen vergleichsweise einfach. Im wachsenden Kiefer lassen sich die Zähne noch leicht verschieben. Oft reichen hier verschieden lose Spangen aus. Bei Jugendlichen und Erwachsenen kann das fertige und gefestigte Gebiss nur mit längerer und stetiger Krafteinwirkung noch verändert werden. Dazu dienen feste Spangen. Gerade Teenager und Erwachsene möchten aber oft keine sichtbare Zahnspange mehr tragen oder kein Metall im Mund haben. Im Trend liegen deshalb aktuell nahezu unsichtbare, herausnehmbare Kunststoffschienen, die auch Aligner genannt werden.

Auch bei Kindern, die Brackets und Metallklammern strikt ablehnen, kommen sie unter Umständen in Frage. Allerdings nur im Ausnahmefall, da Aligner sich am besten eignen, wenn bereits alle Milchzähne durch bleibende Zähne ersetzt worden sind.

Eine Frau hält eine unsichtbare Zahnschiene (Aligner) in der Hand und steckt sie auf die Zähne

Bekanntester und seit 1998 erhältlicher Aligner ist der Invisalign (Hersteller: Align Technology). 2017 gab es noch mindestens 27 weitere Hersteller ähnlicher Aligner [1], inzwischen kam noch eine ganze Reihe hinzu. Es gibt mit der Deutschen Gesellschaft für Aligner Orthodontie [2] sogar eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich ausschließlich mit dem Einsatz der durchsichtigen Kunststoffschienen zur Zahnkorrektur befasst.

Mit Alignern lassen sich vor allem leichte Fehlstellungen korrigieren. Übereinander geschobene, zu eng stehende Zähne und Zahnlücken im Frontzahnbereich sind typische Einsatzgebiete. Sollen ausgeprägtere Fehlstellungen korrigiert werden, kann die Wirkung der transparenten Aligner mit sogenannten Attachments intensiviert werden. Das sind kleine Verankerungspunkte aus Komposit (Kunststoff), die am Zahn angebracht werden.

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Ablauf einer Behandlung

Wenn du dich für eine Korrektur der Zähne mit einer unsichtbaren Zahnspange interessierst, ist der Kieferorthopäde der richtige Ansprechpartner für dich. Zuerst gibt es immer eine ausführliche Beratung. Schließlich muss zunächst abgeklärt werden, ob die Methode bei dir in Frage kommt. Die Planung und anschließende Zahnkorrektur verläuft dann in mehreren Schritten.

So funktioniert die Zahnkorrektur

Aligner sind durchsichtige, dünne Plastikschienen, die ganz exakt und individuell gefertigt werden. Sie bestehen aus einem stabilen und gut verträglichen, medizinischen Kunststoff. Jede Aligner-Schiene bewegt die Zähne nur geringfügig. Insgesamt sind immer mehrere Schienen nötig. Du wechselst die Schiene je nach Planung ungefähr alle drei Tage bis drei Wochen. Da du immer mehrere Aligner vom Kieferorthopäden bekommst, kannst du sie ganz einfach zu Hause tauschen. So werden die Zähne Schritt für Schritt mit jedem weiteren Aligner immer mehr in die gewünschte Endposition gebracht.

Alle sechs bis acht Wochen wird der Fortschritt kontrolliert und du erhältst bei Bedarf die nächsten Schienen. Die Kosten hängen deshalb vor allem davon ab, wie stark die Zähne bewegt werden sollen und wie viele Schienen insgesamt notwendig sind. Da die Zähne nach der Behandlung wieder nach und nach in ihre alte Position zurückwandern können, ist danach das Tragen einer Stabilisierungsspange (eines sogenannten Retainers) nötig.

Computergesteuerte 3D-Planung

Die Planung ist relativ aufwändig. Denn jeder einzelne Aligner muss exakt und millimetergenau passen. Für die Planung werden zunächst Fotos, Scans und Röntgenaufnahmen gemacht. Der eigentliche Behandlungsplan wird dann immer öfter mit moderner Computertechnik erstellt. So lässt sich der Ablauf simulieren und am Bildschirm als virtuelle 3D-Ansicht darstellen. Dabei kannst du selbst sehen, wie die Zahnstellung sich nach und nach während der Aligner-Therapie verändern wird. Die Schienen werden anhand dieser Computer-Modelle gefertigt.

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Wie lange dauert es und wie fühlt es sich an?

Die Aligner sind sehr dünn und optisch tatsächlich so gut wie gar nicht sichtbar. Dennoch handelt es sich um Zahnspangen. Um die Zähne zu bewegen, müssen sie einen Druck ausüben. Dieses Druckgefühl ist nicht stark, kann jedoch vor allem in den ersten Tagen unangenehm sein, weil du die Aligner den ganzen Tag tragen musst. Manche Menschen haben in der ersten Zeit auch Sprachprobleme und lispeln zum Beispiel leicht. Ideal sind mindestens 20, besser 22 Stunden Tragezeit pro Tag.

Herausnehmen solltest du Aligner nur zur Zahnhygiene und während des Essens. Die Dauer der gesamten Zahnkorrektur ist sehr individuell und kann 6 bis 24 Monate betragen. Meist sind es zwischen 9 und 18 Monaten. Anschließend bist du noch nicht ganz erlöst, da du für einige Zeit einen Retainer tragen musst, damit das Ergebnis auch langfristig perfekt erhalten bleibt.

Vorteile und Nachteile von Alignern

Durchsichtige Aligner werden immer beliebter. Und das nicht nur, weil sie nahezu unsichtbar sind. Sie haben auch weitere Vorteile. Doch unsichtbare Zahnspangen haben auch ihre Grenzen und einige Nachteile. Hier findest du eine Übersicht über alle Vor- und Nachteile.

Vorteile von Alignern

  • Nahezu unsichtbar, selbst aus der Nähe.
  • Keine Drähte und Metall im Mund, dadurch auch kein Risiko einer Metallallergie.
  • Einfaches Einsetzen und Herausnehmen.
  • Einfachere Hygiene als bei festen Zahnspangen, bei denen man um die Brackets und Drähte herum meist mit Interdentalbürstchen arbeiten muss. Die Aligner nimmt man heraus, reinigt sie separat und putzt die Zähne und Zahnzwischenräume wie gewohnt.
  • Die Behandlung gilt als weniger schmerzhaft als bei herkömmlichen Zahnspangen.
  • Durch das Plastikmaterial kommt es weniger zu Reizungen und Verletzungen an Schleimhäuten und Zahnfleisch oder zu Beschädigungen am Zahnschmelz, als bei Metallspangen.
  • Der Alignerwechsel ist denkbar einfach, während der Bogenwechsel bei festen Zahnspangen aufwändiger und schmerzhafter ist.
  • Keine Einschränkungen beim Sport oder beim Spielen von Blasinstrumenten.

Nachteile von Alignern

  • Es sind zu Beginn Druckgefühl und Sprachbeeinträchtigungen (Lispeln) möglich.
  • Die Schienen sind dünn, müssen pfleglich behandelt und vorsichtig herausgenommen und eingesetzt werden, da sie ansonsten beschädigt werden können.
  • Da du die Schiene idealerweise 22 Stunden am Tag trägst, können sich darunter Bakterien vermehren und es kann Karies entstehen. Deshalb solltest du auf zuckerhaltige Getränke verzichten, während du die Schiene trägst. Ungesüßte Getränke kannst du jederzeit trinken.
  • Aligner eignen sich nicht für alle Zahnfehlstellungen. Manche Zahnbewegungen können nur mit festen Zahnspangen oder durch eine Kombination von Alignern mit Gummizügen und Attachments durchgeführt werden [3].

Wie viel kostet ein Zahnspange?

  • Eine reguläre Zahnspange kann einige hundert Euro kosten, je nachdem, welche Art von Spange du benötigst. In Deutschland werden Zahnspangen von den Krankenkassen nur bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren übernommen. Bei Erwachsenen muss die Spange selbst bezahlt werden. Es gibt jedoch einige Krankenkassen, die Zuschüsse für die Kosten einer Zahnspange gewähren. Wende dich hierzu an deine Krankenkasse.
  • Die Kosten hängen dabei von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise dem Umfang der Behandlung oder den gewünschten Extras. Auch die Art der Zahnspange spielt eine Rolle bei der Kalkulation der Kosten: Metallspangen sind in der Regel günstiger als keramische oder feste Zahnspangen.
  • Die Kosten von unsichtbaren Zahnspangen sind hoch, liegen jedoch in der Regel ungefähr in dem Bereich, in dem auch feste Zahnspangen liegen. Am besten solltest du hier mit dem Zahnarzt oder Kieferorthopäden besprechen, welche Möglichkeiten es gibt, mit welchen Kosten sie verbunden sind und unter welchen Umständen die Krankenkasse oder eine Zahnzusatzversicherung Kosten übernimmt.
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Bildquellen

  • Unsichtbare Zahnschiene: REDPIXEL.PL | Shutterstock.com
  • Portrait von Dr. Jörg Hannesschläger: Dr. Jörg Hannesschläger

Quellenangaben

Quellenangaben
1 Weir T. Clear aligners in orthodontic treatment. Aust Dent J. 2017 Mar;62 Suppl 1:58-62.
2 Webseite der Deutschen Gesellschaft für Aligner Orthodontie: http://dgao.com/home.html
3 Werner Schupp, Julia Haubrich. Möglichkeiten und Grenzen der Invisalign Behandlung. Quintessenz 2010;61(8):951–962.