Zahnfleischerkrankungen vorbeugen, erkennen und behandeln

Blutet das Zahnfleisch, ist das oft ein erstes Warnzeichen für Zahnfleischerkrankungen, die zum Zahnfleischschwund führen können. Hier erfährst du, wie man Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) und Zahnfleischschwund (Parodontose) verhindern kann bzw. behandelt.

Zahnfleischbluten (zum Beispiel beim Zähneputzen) deutet darauf hin, dass mit deinem Zahnfleisch etwas nicht stimmt. Dahinter kann sich eine beginnende Zahnfleischentzündung (Gingivitis) verbergen. Unter Umständen sind aber auch schon tiefere Strukturen betroffen und es kommt zur Parodontitis und zu Zahnfleischschwund. In diesem Artikel erfährst du mehr über die möglichen Ursachen und wie du vorbeugen kannst. Denn neben der Zahnhygiene spielen auch Veranlagung, Stress, Rauchen und die Hormone eine Rolle bei der Entstehung von Zahnfleischerkrankungen.

Aufbau und Funktion des Zahnfleisches

Die Zähne haben vielfältige Aufgaben. Sie sorgen nicht nur dafür, dass wir unsere Nahrung optimal zerkleinern können, sondern sind auch wichtig für die Aussprache und natürlich auch für ein ästhetisches Aussehen. Die Strukturen, die unsere Zähne im Kiefer befestigen, nennt man den Zahnhalteapparat (Parodontium). Dazu gehören vier Komponenten:

  • Das Zahnfach ist ein Hohlraum im Kieferknochen, in dem die Zahnwurzel eingebettet ist.
  • Die Wurzelhaut füllt das Zahnfach um die Zahnwurzel herum auf. Ihr Bindegewebe und ihre Fasern befestigen den Zahn fest und gleichzeitig elastisch im Zahnfach. Diese Elastizität ist wichtig, damit der große Druck beim Kauen ausgeglichen werden kann.
  • Der Zahnzement liegt der Wurzeloberfläche direkt auf. Im Zement sind unter anderem die Fasern der Wurzelhaut fest verankert, sodass Zahnwurzel und Kiefer eine stabile Einheit bilden. Über dem Zahnfleischrand geht der Zahnzement in den Zahnschmelz über, der die Oberfläche der sichtbaren Zahnkrone schützt.
  • Das Zahnfleisch (Gingiva) bedeckt den Kiefer und umgibt die Zahnhälse wie ein Saum. Im gesunden Mund ist das Zahnfleisch der einzige Teil des Zahnhalteapparates, der sichtbar ist.

Das Zahnfleisch dient als Schutz für den Kiefer und die Zahnhälse. Es umschließt die Zahnhälse und sorgt auf diese Weise dafür, dass Schadstoffe, die zerkleinerte Nahrung und Bakterien nicht zum Zahnhalteapparat vordringen können. Problematisch wird es immer dann, wenn das Zahnfleisch sich vom Zahnhals ablöst. Dann entstehen Zahnfleischtaschen, in denen es zu Ablagerungen und Entzündungsprozessen kommt. Dann liegt eine beginnende Zahnfleischerkrankung vor.

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Wie soll gesundes Zahnfleisch aussehen?

Gesundes Zahnfleisch weist eine zartrosa Färbung auf und blutet nicht beim Zähneputzen. An der Oberfläche sind leichte Erhebungen spürbar – auch in den Zahnzwischenräumen sitzt das Zahnfleisch stabil. Es schmerzt nicht und zeigt keinerlei Anzeichen einer Entzündung.

Illustration von Zahnfleischschwund und Parodontitis

Wieso ist die Mundflora wichtig?

Der Begriff Mundflora bezeichnet den gesamten Bereich der Mikroorganismen im Mund. Man spricht auch von einer sogenannten Mikroorganismengemeinschaft. Einige Milliarden Bakterien und verschiedenste Hefen leben im feuchten und wohltemperierten Milieu der Mundhöhle. Etwa zwei Drittel der oralen Mikroben befinden sich auf der Zungenoberfläche. In der menschlichen Mundflora steckt viel Keimpotential: Etwa die Hälfte aller Menschenbisse führen zu einer Infektion!

Was sind die Aufgaben der Mundflora?

Die Mundflora schützt in erster Linie vor Krankheitserregern, die sich in der Mundhöhle einnisten möchten. Eine ausbalancierte Mikroorganismengemeinschaft ist essentiell für eine gesunde und gut funktionierende Verdauung. Noch bevor die Nahrung in den Magen gelangt, finden bereits im Mund erste Verdauungsprozesse und biochemische Vorgänge statt. Deshalb ist es auch so wichtig, gut und ausgiebig zu kauen.

Zahnfleischerkrankungen: Entstehung und Folgen

Neben Karies sind die verschiedenen Zahnfleischerkrankungen die häufigsten Probleme, die der Zahnarzt behandelt. In den meisten Fällen ist die Ursache für den Beginn einer Zahnfleischerkrankung Zahnbelag, der nicht ausreichend entfernt wurde. Mangelhafte Mundhygiene ist der wichtigste Faktor für die Entstehung entzündlicher Erkrankungen im Mundraum. Zudem können Entzündungen auch durch Verletzungen ausgelöst werden, die das Eindringen von Krankheitserregern ins Gewebe ermöglichen, oder durch mechanische Reize wie bspw. den Stoß gegen einen Zahn oder anhaltendes Scheuern bei schlecht sitzendem Zahnersatz. Begünstigt werden Entzündungsprozesse zudem durch Tabakkonsum, Stress, genetische Veranlagung sowie bestimmte chronische Erkrankungen, bspw. Diabetes mellitus. Wenn die Entzündung vom Immunsystem nicht eingedämmt werden kann und auch nicht zahnärztlich behandelt wird, kommt es zur Ausweitung auf benachbarte Bereiche – bspw. von der Zahnfleischentzündung zur Entzündung am Implantat und schließlich zur Kieferentzündung.

Entzündungen im Mundraum können verschiedene Bereiche betreffen, am häufigsten sind:

  • Zahnmarkentzündung (Pulpitis)
  • Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
  • Entzündung des Zahnhalteapparats (Parodontitis)
  • Entzündung um ein Zahnimplantat (Periimplantitis)
  • Kieferentzündung bzw. Entzündung des Knochengewebes im Kiefer

Plaque (Zahnbelag) und Zahnstein

Bei jedem Menschen bildet sich bereits kurze Zeit nach dem Putzen der Zähne wieder ein Zahnbelag (auch Plaque genannt). Bakterien aus der Mundhöhle, Essensreste und Substanzen aus dem Speichel lagern sich auf den Zähnen an. Dieser Belag ist weich und lässt sich relativ leicht entfernen. Auf den Zahnoberflächen schrubbt man ihn mit der Zahnbürste ab, in den Zahnzwischenräumen helfen Zahnseide oder Interdentalbürsten.

Wie schnell und stark sich Zahnbelag bildet, hängt jedoch nicht nur von der Zahnhygiene ab. Veranlagung, eine zu geringe Speichelbildung, eng stehende Zähne, Karies oder Spalten am Rand von Füllungen oder Kronen können die Bildung von Zahnbelag begünstigen. Wird der Zahnbelag nicht entfernt, verhärtet er mit der Zeit immer mehr. Zahnstein entsteht. Dieser lässt sich nicht mehr abbürsten, sondern muss beim Zahnarzt entfernt werden.

Zahnfleischerkrankungen und Zahnfleischschwund

Problematisch für das Zahnfleisch wird es dann, wenn der Zahnstein sich immer weiter zwischen Zahnfleisch und Zahn schiebt. An den rauen Zahnstein lagert sich immer wieder neuer Zahnbelag an, der wiederum verhärtet. Es entstehen Zahnfleischtaschen, die bei der Zahnhygiene kaum erreichbar sind und dadurch optimale Bedingungen für die Vermehrung schädlicher Bakterien und der weiteren Bildung von Zahnstein und Belägen aufweisen. Die Bakterien lösen eine Entzündung des Zahnfleischs (Gingivitis) aus. Daraus kann schließlich eine Parodontitis entstehen.

Was ist der Unterschied zwischen Gingivitis, Parodontitis und Parodontose?

Umgangssprachlich spricht man oft von der Parodontose, wenn eigentlich eine Parodontitis gemeint ist. Doch was ist eigentlich der Unterschied?

  • Die Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparats. Sie entsteht, wenn eine anfängliche Zahnfleischentzündung (Gingivitis) tiefer wandert und sich in Richtung Zahnwurzel in den Kiefer hinein ausbreitet.
  • Von Parodontose sprechen Ärzte eigentlich nur dann, wenn ein Zahnfleischschwund ohne entzündliche Komponenten vorliegt. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird jedoch häufig das Wort Parodontose für beide Erkrankungen verwendet.
  • Von Zahnfleischschwund spricht man generell immer, wenn das Zahnfleisch sich zurückbildet. Unabhängig von der Ursache. In den meisten Fällen steckt eine Entzündung (Gingivitis oder Parodontitis) dahinter.

Was sind die Folgen von Zahnfleischerkrankungen?

Beim regelmäßigen Check-up beim Zahnarzt wird eine mögliche Entzündung früh erkannt, oft noch bevor sich Symptome bemerkbar machen. Spätestens wenn Anzeichen einer Zahnfleischentzündung (siehe unten) auftreten, ist ein Zahnarztbesuch ratsam. Denn unbehandelt können die Entzündungen schwere Folgen haben: Mit der Zeit dringt die Entzündung immer tiefer. Es kann dazu kommen, dass der Zahnhalteapparat geschädigt wird. Zahnfleischschwund, wackelnde Zähne, ein Abbau des Kieferknochens und letztendlich der Verlust des Zahnes können die Folge sein.

Zusätzlich wirkt sich eine Entzündung im Mund auf den gesamten Körper aus. Bei einer chronischen Gingivitis oder Parodontitis werden durch die Bakterien Stoffwechselprodukte freigesetzt, die sich über das Blut im Körper verteilen. Studien belegen, dass dadurch schwere Folgen möglich sind. Bei Menschen mit einer unbehandelten Parodontitis erhöht sich das Herzinfarktrisiko [1] und es kommt häufiger zu Bluthochdruck [2]. Auch Diabetes und Zahnfleischerkrankungen hängen eng zusammen, und zwar in beiden Richtungen [3]: Diabetiker haben häufiger Parodontitis. Die Parodontitis wiederum beeinflusst die Einstellung des Blutzuckerspiegels und erschwert so das Management der Diabetes-Erkrankung.

Doch auch weitere negative Folgen einer unentdeckten oder unbehandelten Zahnfleischentzündung sind möglich: Eine Parodontitis kann für Schwangere ein Risiko darstellen und zu einer Frühgeburt führen [4]. Außerdem deuten Studien darauf hin, dass eine Parodontitis und deren Auslöser, bestimmte pathogene Bakterien, zur Entstehung von Rheuma beitragen können [5].

Rückenschmerzen

Entzündungen im Mundraum können für den gesamten Bewegungsapparat problematisch sein. Häufige Symptome dabei sind:

Auslöser ist häufig die Schonhaltung infolge einer schmerzhaften Pulpitis (Entzündung des Zahnmarks) oder Kieferentzündung. Dadurch entstehen muskuläre Dysbalancen und minimale Fehlhaltungen, die sich auf die Wirbelsäule und das gesamte Skelett auswirken. Entzündungserreger aus dem Mundraum können auch die Entstehung rheumatischer Gelenkbeschwerden fördern. Ein ähnlicher Effekt ergibt sich durch andere zahnmedizinische Probleme: sowohl durch eine Fehlstellungen von Zähnen und Kiefer, die den normalen Bewegungsablauf beeinträchtigen, wie auch eine Dauerbelastung beim nächtlichen Zähneknirschen (Bruxismus).

Die Abklärung einer möglichen zahnmedizinischen Ursache lohnt insbesondere dann, wenn:

  • die obig genannten Symptome über einen längeren Zeitraum auftreten,
  • sich auch einige der obig genannten Entzündungssymptome im Mundraum zeigen,
  • bisherige Untersuchungen (Allgemeinmedizin, Orthopädie, Rheumatologie etc.) keine Hinweise auf mögliche Ursachen für die Muskel- bzw. Gelenkprobleme erbracht haben und
  • bisherige Therapieversuche, bspw. Krankengymnastik oder Massagen, höchstens kurzfristig Wirkung zeigten.

Entzündungen im Mundraum und Infarktrisiko

Bei länger andauernden Entzündungen im Mundraum können sich Krankheitserreger ungehemmt vermehren, zudem bildet das absterbende Gewebe zahlreiche Giftstoffe. Diese können über die Blutbahn in den gesamten Körper gelangen. Dies führt unter anderem zur Beeinträchtigung des Herz-Kreislauf-Systems: Die Entzündungserreger verringern die Elastizität der Blutgefäße und steigern damit das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Problematisch ist dies vor allem deshalb, weil die Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems oft lange unentdeckt bleibt. Umso wichtiger sind die halbjährlichen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt, damit mögliche Entzündungen frühzeitig ausgeheilt werden können.

Chronischen Erkrankungen

Zwischen entzündlichen Erkrankungen im Mundraum und Diabetes mellitus gibt es eine gefährliche Wechselwirkung: Zum einen erhöht Diabetes das Parodontitis-Risiko, zum anderen beeinflussen die Entzündungserreger den Blutzuckerspiegel und fördern die Insulinresistenz des Diabetes-Patienten. Eine ähnliche Wechselwirkung lässt sich bei Rheuma und rheumatischer Arthritis beobachten: Entzündungserreger aus dem Mundraum können in die Gelenke gelangen – umgekehrt erschwert die eingeschränkte Mobilität von Kiefergelenk und Händen die Mundhygiene und vergrößert damit das Entzündungsrisiko. Daher sollten Diabetes- und Rheuma-Patienten besonders auf die täglichen Mundhygiene achten und regelmäßig zum Zahnarzt gehen. Zusätzliche Prophylaxemaßnahmen, insbesondere die regelmäßige professionelle Zahnreinigung, sind hier besonders empfehlenswert.

Entzündungen im Mundraum während der Schwangerschaft

Die hormonellen Veränderungen infolge der Schwangerschaft machen das Zahnfleisch anfälliger für Entzündungen – daher spricht man auch von der Schwangerschaftsgingivitis, die sich schnell zu einer Parodontitis entwickeln kann.  Gefährlich ist dies insbesondere deshalb, weil bei Vorliegen einer Gingivitis oder Parodontitis Entzündungserreger aus dem Mundraum in die Blutbahn gelangen können. Eine solche erhöhte Erreger Konzentration im Blut der Mutter erhöht nachgewiesenermaßen das Risiko für eine Frühgeburt.

Wie erkenne ich eine Zahnfleischerkrankung? Symptome und erste Anzeichen

Zahnfleischerkrankungen werden manchmal erst spät erkannt. Das Tückische: Obwohl eine massive Entzündung vorliegt, entstehen in vielen Fällen kaum Schmerzen. Deshalb werden die ersten Anzeichen wie Zahnfleischbluten manchmal über längere Zeit ignoriert oder als harmlos angesehen. Bei Auftreten von einem oder mehreren der folgenden Symptome solltest du an eine mögliche Entzündung des Zahnfleisches oder eine Parodontitis denken und zur Sicherheit einen Zahnarzt aufsuchen.

  • Zahnfleischbluten, Rötung, Schwellung: Auf eine Ansammlung schädlicher Bakterien reagiert das Zahnfleisch mit einer Entzündung. Immunzellen wandern zum Ort des Geschehens. Es kommt zu einer vermehrten Durchblutung. Das äußert sich in einer Rötung, Schwellung und in einer erhöhten Blutungsneigung (zum Beispiel Zahnfleischbluten beim Essen oder Zähneputzen).
  • Schmerzempfindliche Zähne: Entzündungen können zu Zahnfleischschwund führen. Dadurch liegen die Zahnhälse immer mehr frei. Dort befinden sich zahlreiche kleine Kanäle, die zum Inneren des Zahnes führen. Dadurch können Reize wie Kälte, Wärme oder Süßes zu einem Schmerzreiz führen.
  • Zahnfleischschwund: Unter Zahnfleischschwund versteht man einen sichtbaren Rückgang des Zahnfleisches. Oft bemerkt man das besonders stark zwischen den Zähnen oder dadurch, dass die Zähne länger wirken als früher.
  • Wackelnde oder verschobene Zähne: Ist der Zahnhalteapparat angegriffen, hat der Zahn nicht mehr den optimalen Halt. Zähne können sich verschieben oder beginnen zu wackeln.
  • Veränderte Zahnstellung: Fühlt sich die Zahnstellung beim Zubeißen anders an als früher, kann das ein Anzeichen für eine veränderte Zahnposition sein. Ein Arzt sollte überprüfen, ob eine Zahnfleischerkrankung dahintersteckt.
  • Zahnausfall: Im Extremfall kann ein Zahn den Halt auch völlig verlieren und ausfallen.
  • Mundgeruch: Ablagerungen im Mund, die für die Zahnhygiene nicht mehr zugänglich sind (zum Beispiel in Zahnfleischtaschen) und auch die Entzündungsprozesse können zu einem unangenehmen Mundgeruch führen.

Schriftzug Leitfaden zur Detoxkur

Wie wird Zahnfleischschwund und Parodontitis behandelt?

Je nach dem Stadium einer Zahnfleischerkrankung unterscheidet sich die Therapie. In jedem Fall bildet eine optimale Mundhygiene (Tipps dazu siehe unten) die Grundlage aller weiteren Behandlungen. Oft wird zunächst eine professionelle Zahnreinigung gemacht und der Patient in der bestmöglichen Zahnhygiene geschult. Manchmal kann diese Maßnahme schon reichen und Entzündungen des Zahnfleisches bilden sich zurück.

Liegen bereits tiefere Zahnfleischtaschen, eine fortgeschrittene Parodontose oder Zahnfleischschwund vor, ist oft eine gründlichere Reinigung notwendig. Mit Spezialinstrumenten kann der Zahnarzt unter Lokalanästhesie in die Zahnfleischtaschen gelangen und auch tiefliegende Ablagerungen und Bakterien entfernen. In schweren Fällen können auch chirurgische Eingriffe am Zahnfleisch oder zum Wiederaufbau des Kieferknochens nötig werden. Ist die Zahnwurzel bereits stark betroffen, ist unter Umständen eine Wurzelbehandlung nötig.

Begleitend zu einer Behandlung kann der Zahnarzt Mundspülungen empfehlen oder Antibiotika verschreiben, um die Anzahl schädlicher Bakterien im Mund zu vermindern. Eine Zahnfleischentzündung lässt sich im Anfangsstadium zumeist durch natürliche Mundspülungen mit entzündungshemmenden Heilpflanzenextrakten (Salbei, Kamille, Teebaumöl, Nelkenöl, Fenchelöl usw.) ausheilen, bei allen anderen Erkrankungen ist eine umgehende ärztliche Behandlung erforderlich. Verwenden Sie keine scharfen, synthetischen Mundwässer, da diese die empfindliche Mundflora negativ beeinflussen.

Wie kann ich Zahnfleischschwund vorbeugen?

Entzündungen des Zahnfleisches, Zahnfleischschwund und Parodontose (bzw. Parodontitis) gehören zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Mit den folgenden Tipps kannst du dafür sorgen, dass deine Zähne und dein Zahnfleisch langfristig gesund bleiben.

  • Informieren und reagieren: Du solltest die Symptome einer Zahnfleischentzündung kennen (siehe oben) und sofort reagieren, wenn sie auftreten. Das bedeutet also, dass du zum Beispiel einen Zahnarzttermin vereinbaren solltest, wenn beim Zähneputzen häufiger Blut sichtbar ist.
  • Nicht rauchen: Rauchen erhöht die Gefahr für Zahnfleischschwund und Parodontitis. Zudem heilen Zahnfleischentzündungen bei Rauchern schlechter ab. Hier findest du unsere besten Tipps zum Rauchen Aufhören.
  • Während einer Schwangerschaft und in den Wechseljahren besonders auf das Zahnfleisch achten: Hormonelle Schwankungen erhöhen die Gefahr für Zahnfleischerkrankungen. Besteht ein Kinderwunsch, kann es sinnvoll sein, Zähne und Zahnfleisch vorher bereits gründlich beim Zahnarzt durchchecken zu lassen. Auch im Hinblick auf das erhöhte Frühgeburtsrisiko durch Parodontitis.
  • Optimale Zahnhygiene: Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, aber manchmal ist es gut, sich immer wieder bewusst an die Wichtigkeit einer peniblen Mundhygiene zu erinnern. Experten empfehlen, zwei Mal täglich die Zähne zu putzen. Einmal am Tag sollten zusätzlich die Zahnzwischenräume mit Zahnseide und/oder Interdentalbürsten gereinigt werden.
  • Richtige Zahnbürste und Zahnputztechnik: Elektrische oder Ultraschall-Bürsten gelten als besonders effektiv, doch auch mit einer ganz einfachen, herkömmlichen Zahnbürste lassen sich die Zähne gründlich reinigen. Wichtig ist dabei in allen Fällen die richtige Technik. Im Zweifelsfall kannst du jederzeit deinen Zahnarzt um Tipps und Anleitungen bitten.
  • Regelmäßige Vorsorge: Nimm alle Vorsorgetermine beim Zahnarzt wahr. So können Probleme oft bereits erkannt werden, bevor du selbst sie bemerkst. Unangenehme und langwierige Behandlungen kannst du so vermeiden.
  • Gesunde Ernährung: Süßes greift die Zähne an, da die Mundbakterien Zucker in Säure umwandeln. Eine Zuckerreduktion kann deshalb die Mundgesundheit unterstützen.
  • Zahnersatz besonders gründlich reinigen: Herausnehmbarer Zahnersatz oder festsitzender Zahnersatz wie Brücken und Kronen sollte besonders penibel nach Anleitung des Zahnarztes gereinigt werden, damit sich dort keine Ablagerungen bilden.
  • Braucht man Mundduschen und Mundspülungen? Einige Mundspülungen wirken antibakteriell. Damit verändern sie aber auch die natürliche Mundflora. Mundduschen arbeiten mit Druck und können bei falscher Anwendung die Bakterien noch tiefer in Zahnfleischtaschen hinein spülen und Zahnfleischschwund dadurch sogar begünstigen. Beides solltest du deshalb nur anwenden, wenn dein Zahnarzt dazu rät.
  • Ölziehen: Die aus dem Ayurveda stammende Praxis wirkt nachgewiesenermaßen sehr positiv auf Zähne und Zahnfleisch. Dafür einen Esslöffel eines hochwertigen Öles pur einnehmen (Kokosöl, Sonnenblumenöl oder ein anderes kaltgepresstes Öl) und 10-20 Minuten im Mund „ziehen“! Danach ausspucken und entsorgen. Als morgendliches Ritual wirkt Ölziehen entgiftend, antibakteriell und gesundheitsfördernd für den gesamten Organismus.
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Wieso ist Zahnpflege wichtig?

Die richtige Zahnpflege schon in jungen Jahren kann vor hohen Zahnarztkosten im Alter bewahren. So lässt sich beispielsweise Parodontitis durch die richtige Zahnpflege vermeiden. Nach dem Aufstehen morgens werden die Zähne geputzt und natürlich auch vor dem zu Bett gehen. Das sind Dinge, die werden uns von Kindheit an beigebracht – und bei den meisten Menschen bleiben diese Angewohnheiten ein Leben lang erhalten. Aber wie kann es dann sein, dass es trotzdem so viele Fälle von Zahnerkrankungen hierzulande gibt? Machen wir essenzielle Fehler bei der Zahnpflege oder kann man seine Zähne einfach gar nicht wirklich gesund erhalten?

Karies sorgt für eine Menge Behandlungsbedarf jedes Jahr

Statistiken belegen[6], dass allein im Jahr 2017 23 Prozent aller Personen, die einen Zahnarzt aufgesucht haben, besondere Behandlungen im Zusammenhang mit Füllungen benötigten. 22,6 Prozent aller Patienten beim Zahnarzt benötigten sogar schon eine zweiflächige Füllung, was auf ein besonders tiefes, zu behandelndes Loch hinweist. 2017 wurde rund 1/5 aller Deutschen wegen Karies behandelt.

Eine Zahnfüllung ist dann notwendig, wenn ein Teil der Zahnsubstanz – zum Beispiel bei einer Kariesbehandlung – nicht mehr vorhanden ist oder durch den Zahnarzt abgetragen werden musste. Es gibt verschiedene Formen der Zahnfüllung, aber alle stellen den Zahn soweit wieder her, dass ein normales Kauen möglich ist.

Parodontitis im Alter

Parodontitis gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Es ist eine bakteriell bedingte Entzündung des Zahnfleisches, die zu einer weitgehend irreversiblen Zerstörung des Zahnhalteapparates führen kann. Diese Zahnerkrankung ist darüber hinaus so tückisch, weil ihre Anfänge oftmals gar nicht oder nur kaum zu erkennen sind. Denn Parodontitis beginnt in jungen Jahren mit einfachen Zahnfleischentzündungen – kann im Alter aber zu erheblichem Zahnverlust führen. Senioren verlieren in der Regel mehr Zähne durch Parodontitis und damit einhergehendem Zahnfleischrückgang, als durch Karies. Dabei sind beide Erkrankungen bei einer guten Zahnpflege vermeidbar. Interessant zu wissen: Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko an Parodontitis zu erkranken[7].

Zahnpflege Mythen

Es gibt zahlreiche Informationen und Weisheiten rund um die richtige Zahnpflege, die uns im Laufe der Jahre und Jahrzehnte mit auf den Weg gegeben wurden und die immer mal wieder umgeworfen worden sind. Der neueste Stand der Wissenschaft, so scheint es, ist oftmals nur für die nächsten Jahre wirklich aktuell. Dann stehen schon wieder neue Informationen und neue Innovationen in Sachen Zahncremes und Zahnbürsten bereit.

Dabei gibt es eine ganze Reihe von Dingen, die von Experten schon über viele Jahre hinweg proklamiert wurden – die sich bis heute nicht geändert haben. Andere Dinge hingegen, vor allem gern genutzte Werbeweisheiten, sind heute längst als Mythen enttarnt. Wir wollen an dieser Stelle einmal einige solcher Mythen aufzeigen und parallel dazu zeigen, wie es mit der Zahnpflege optimal klappt.

Die Zahnpasta, die die Zähne weißer macht

Sie werden seit Jahren immer mal wieder gern beworben – die Zahncremes, die deine Zähne in einem ganz besonders reinen Weiß erstrahlen lassen. Das soll an kleinen Farbpartikeln liegen, die in der Zahnpaste enthalten sind. Oder in anderen Fällen an der Aktivkohle, die hier in der schwarzen Zahnpasta zu finden ist.

Wirklich bewiesen ist keine diese Behauptungen. Sehr wohl aber bewiesen ist, dass die meisten Zahncremes, die deine Zähne heller machen sollen, mit kleinen Abriebpartikeln daherkommen, die deine Zähne zusätzlich polieren sollen. Diese sorgen aber auch für einen stärkeren Abrieb des Zahnschmelzes und können deine Zähne daher nachhaltig schädigen. Anders sieht das bei Zahncreme mit Aktivkohle aus. Die schwarze Creme hat keine dieser schädigenden Inhaltsstoffe. Ob sie die Zähne wirklich heller macht, ist allerdings dennoch fraglich.

Die Zähne müssen nach dem Essen geputzt werden

Es mag eigenartig anmuten, aber die beste Zeit zum Zähne putzen ist nicht direkt nach dem Essen. Denn durch die Nahrungsaufnahme werden Säuren gebildet, die teilweise den Zahnschmelz und die hier enthaltenen Mineralien angreifen oder diese weicher machen. Putzt du nun direkt nach dem Essen die Zähne, wenn der Zahnschmelz durch die vorhandene Säure noch angegriffen und relativ weich ist, kann das zu Abtragungen von Mineralien im Zahnschmelz führen.

Du trägst durch das Putzen der Zähne den Zahnschmelz quasi ab, was sich auf Dauer eher negativ als positiv auswirken würde. Aus diesem Grund empfehlen Experten, zwischen der letzten Mahlzeit und dem Zähneputzen rund 30 Minuten vergehen zu lassen.

Mit einer elektrischen Zahnbürste putzt du gründlicher als mit einer Handbürste

Das subjektive Gefühl mag oftmals da sein. Allein, es liegt daran, dass du dann mit der Handbürste nicht richtig geputzt hast. Oder es ist wirklich nur ein Gefühl. Denn der Effekt der Zahnreinigung ist bei einer elektrischen Zahnbürste letztlich der Gleiche, wie bei einer Handbürste – solange du die Handzahnbürste richtig anwendest.

Richtig anwenden heißt in dem Fall die Bürste in einem 45 Grade Winkel anlegen und dann den Zahn von oben nach unten mit der Bürste entlangrütteln. Der Innenbereich der Zähne muss hingegen von unten nach oben quasi ausgewischt werden, sodass die Bakterien sich hier nicht im hinteren Rachen ansammeln können, sondern wirklich entfernt werden.

Wichtige Tipps zum Thema Zahnpflege

Richtiges Zähneputzen – Die Technik

Den Ratschlag “Immer von Rot nach Weiß putzen” kennen wir alle. Diese Technik ist prinzipiell auch gut, weil sie vor allem auch das Zahnfleisch mit einbezieht und grundsätzlich die Zähne gut reinigt. Dennoch muss man dabei Folgendes beachten:

An den Übergängen zwischen Zahnfleisch und Zahn bleiben dünne Plaqueränder bestehen. Diese müssen zusätzlich entfernt werden, um Zahnfleischentzündungen vorzubeugen. Dabei setzt man die Zahnbürste so an, dass die eine Hälfte der Borsten am Zahn und die andere am Zahnfleisch aufliegt. Die Bürste wird leicht schräg zum Zahnfleisch gehalten. Nun übt man unter sanftem Druck leichte Rüttelbewegungen aus, indem man die Zahnbürste ganz wenig hin- und herbewegt. So reinigt man Zahn für Zahn. Auch an den Kauflächen kann mit der Rüttel-Technik geputzt werden.

Eine weitere Methode ist die Rotationstechnik. Durch das kreisende Putzen von Zahnfleisch und Zähnen kann Plaque am gesamten Zahnhals und zwischen den Zähnen gut entfernt werden. Außerdem wird dabei das Zahnfleisch gut massiert. Beim Putzen der Hinterflächen von Schneide- und Eckzähnen den Zahnbürstenkopf am besten senkrecht halten.

Der richtige Putzdruck ist außerdem ein wichtiger Punkt. Die meisten putzbedingten Schäden an Zahnschmelz und Zahnfleisch entstehen durch zu kräftiges Bürsten mit zu harten Zahnbürsten. Verwende mittelharte Bürsten (bei Parodontitis weiche) und übe beim Putzen nur leichten bis mittleren Druck aus. Um mit einer weichen Bürste effektiv Plaque zu entfernen, muss man jedoch entsprechend länger putzen.

Wie oft und wie lange soll ich die Zähne putzen?

Putze deine Zähne mindestens zweimal am Tag, morgens und abends. Dafür nimm dir jeweils drei Minuten Zeit. Dann hast du in der Regel alle Stellen im Mund erreicht, die geputzt werden müssen. Mit einer weichen Zahnbürste hänge noch eine Minute dran.

Wie sollte die Zahnbürste gereinigt werden?

Halte die Zahnbürste nach dem Putzen unter fließendes heißes Wasser, so spülst du die Bakterien ab. Stelle sdie Bürste dann zum Trocknen in einen Becher. Optimal ist es, wenn du sie einmal in der Woche für eine Minute in 3%-iges Wasserstoffperoxid (billig in jeder Apotheke erhältlich) tauchst. Das eliminiert die Bakterien zusätzlich.

Wie oft soll die Zahnbürste gewechselt werden?

Auch bei richtiger Reinigung der Zahnbürste sollte diese alle 6 – 8 Wochen gewechselt werden. Nach dieser Zeit haben sich in den Borsten Bakterien abgesetzt, die man danach bei jedem Putzen wieder auf die Zähne aufträgt. Auch die Putzleistung der Borsten lässt mit der Zeit nach. Interdentalbürsten sollten bereits nach 2 Wochen ausgewechselt werden.

Wichtig: Nach Infektionen im Mundraum, aber auch nach allgemeinen Infekten sollte man die Zahnbürste immer sofort auswechseln, denn diese ist mit den Erregern kontaminiert.

Soll man Mundspülung benutzen?

Viele herkömmliche Mundspülungen irritieren die gesunde Mundflora. Das heißt, sie schwächen wichtige Bakterien, die natürlicherweise im Mund vorkommen und gegen Karies und Krankheitserreger schützen. Wenn man also Mundwasser verwenden möchte, dann zahlt es sich aus, im Bioladen oder in der Apotheke nach natürlichen Mundspülungen zu fragen, die das gesunde Milieu im Mund nicht gefährden.

Muss ich Zahnseide benutzen?

Ja, auf jeden Fall! Damit reinigst du die Zahnzwischenräume, wo du mit der Zahnbürste nur unzureichend hinkommst. Dies ist eine gute Vorsorge gegen Parodontose.

Wie wende ich Zahnseide richtig an?

  • Nimm ein ca. 40 cm langes Stück Zahnseide und wickle die Enden um die Mittelfinger oder Zeigefinger, sodass zwischen den Händen ca. 10 cm Faden übrig bleibt. Die gespannte Zahnseide wird über die Daumen gelegt. Dieses Fadenstück wird nun durch leichtes vor- und zurückbewegen zwischen zwei Zähne gebracht. Lege nun den Faden U-förmig um einen der beiden Zähne und bewege die Zahnseide an der Zahnfläche auf und ab. Damit wird der Zahnbelag effektiv abgetragen. Das Gleiche machst du beim zweiten Zahn.
  • Danach wird die Zahnseide wieder aus dem Zahnzwischenraum heraus gezogen. Wickle nun die Zahnseide ein Stück weiter, bevor du dir den nächsten Zwischenraum vornimmst. So verwendest du stets ein sauberes Stück. Das machst du, bis alle Zahnzwischenräume gereinigt sind.

Die Anwendung von Zahnseide wird zumindest einmal täglich, am besten abends, empfohlen.

Wenn du dich an all das hältst und dann noch deinen Zahnarzt bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung fragst, ob er dir eine Einschätzung deiner Mundhygiene geben kann, und du dir die Schwachstellen deiner Zahnpflege aufzeigen lässt, steht einer guten Zahngesundheit nichts mehr im Wege.

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Bildquellen

  • Illustration von Zahnfleischschwund: Alex Mit | Shutterstock.com
  • Portrait von Dr. Jörg Hannesschläger: Dr. Jörg Hannesschläger

Quellenangaben

Quellenangaben
1 Rydén L, et al. Periodontitis Increases the Risk of a First Myocardial Infarction: A Report From the PAROKRANK Study. Circulation. 2016 Feb 9;133(6):576-83
2 Muñoz Aguilera E, et al. Periodontitis is associated with hypertension: a systematic review and meta-analysis. Cardiovasc Res. 2019 Sep 24. pii: cvz201. doi: 10.1093/cvr/cvz201. [Epub ahead of print]
3 Stanko P, Izakovicova Holla L. Bidirectional association between diabetes mellitus and inflammatory periodontal disease. A review. Biomed Pap Med Fac Univ Palacky Olomouc Czech Repub. 2014;158(1):35-8.
4 Opacic J, et al. Einfluss der Parodontitis auf Schwangerschaft und Geburt. Swiss Dent J. 2019 Jul 22;129(7-8):581–589.
5 Cheng Z, et al. Periodontal disease and periodontal bacteria as triggers for rheumatoid arthritis. Best Pract Res Clin Rheumatol. 2017 Feb;31(1):19-30.
6 Im Internet: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/287134/umfrage/haeufigste-konservierende-und-chirurgische-zahnbehandlungen-in-deutschland/, abgerufen am 25.03.2022
7 Im Internet: https://www.diabinfo.de/leben/folgeerkrankungen/zaehne.html abgerufen am 25.03.2022