Orthomolekulare Medizin: Wann helfen Mikronährstoffe?

Sind deine Blutwerte in Ordnung und bist du trotzdem müde, antriebslos und häufig krank? Die Ursache liegt sehr häufig in versteckten Mängeln an Mikronährstoffen, also Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen. Leider wird danach selten gesucht. Erschöpfung und Burnout beginnt häufig in der Zelle und kann gezielt und effektiv behandelt werden. Hier kann dir die orthomolekulare Medizin helfen.

In meine Praxis kommen sehr oft müde, erschöpfte und antriebslose Menschen. Vom immer müden Jugendlichen bis hin zum ausgelaugten, Burnout gefährdeten Mittvierziger. Im Grunde sind alle Altersgruppen vertreten. Die meisten haben eine lange Odyssee hinter sich, sind verzweifelt und bringen fast immer optimale absolut unauffällige Labor Befunde mit.

Was versteht man unter Mikronährstoffen?

Mikronährstoffe sind Nährstoffe, die der Körper in kleinen Mengen benötigt. Sie sind an vielen wichtigen biologischen Prozessen beteiligt und spielen daher eine wichtige Rolle für die Gesundheit. Die meisten Mikronährstoffe werden über die Nahrung aufgenommen, einige können jedoch auch vom Körper selbst hergestellt werden.

Mikronährstoffe umfassen Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Sie sind an vielen wichtigen Stoffwechselvorgängen beteiligt und tragen so zu einer gesunden Funktion des Körpers bei. Einige Mikronährstoffe sind fettlöslich, das heißt, sie können nur in Verbindung mit Fett aufgenommen werden. Andere sind wasserlöslich und können daher leichter aus der Nahrung aufgenommen werden.

  • Vitamine und Mineralien sind die bekanntesten Mikronährstoffe. Sie sind jedoch nicht die einzigen Nährstoffe, die der Körper in kleinen Mengen benötigt.
  • Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für die Gesundheit. Spurenelemente sind Metallionen, die der Körper in sehr geringen Mengen benötigt. Sie sind an vielen Funktionen im Körper beteiligt, zum Beispiel an der Blutgerinnung oder dem Stoffwechsel. Einige Spurenelemente sind in höheren Konzentration in bestimmten Gewebetypen enthalten, zum Beispiel Eisen in den Muskeln oder Zink in den Haaren.
  • Sekundäre Pflanzenstoffe sind natürliche Inhaltsstoffe von Pflanzen, die nicht als Vitamin oder Mineral klassifiziert werden. Sie haben jedoch eine Reihe von gesundheitlichen Vorteilen und können unter anderem das Immunsystem stärken, Entzündungsprozesse hemmen und dem Körper helfen Giftstoffe zu eliminieren.

Leere Mikronährstoffspeicher als Ursache für Müdigkeit

Diese Befunde haben aber immer eines gemeinsam. Es wurde nie nach Mängeln im Mikronährstoffbereich gesucht und effektiv in diese Richtung therapiert. Natürlich sind Leberwerte, Cholesterin und Bauchspeicheldrüsenwerte wichtig, aber mindestens genauso wichtig sind Werte wie Selen, Zink, Vitamin D3, B12, Folsäure uvm. Sehr viele Symptome kommen genau aus dieser Ecke. Leere Mikronährstoffspeicher machen sehr viele Beschwerden, können aber zum Glück auch effektiv und individuell behandelt werden[1]. Kurz gesagt: Sie bleiben müde und erschöpft, solange diese Speicher nicht gezielt und rasch gefüllt werden.

Eine Kapsel gefüllt mit Früchten

Logisch oder? Natürlich wäre es am Idealsten, und es sollte auch das Ziel sein, diese Speicher mit optimaler Ernährung voll zu halten. Aber sind wir doch einmal ehrlich, wer ernährt sich denn schon ständig optimal? Viele Mikronährstoffe sind sehr empfindlich bzw. sind geographisch bedingt Mangelware. Sind die Speicher maximal geleert, sind diese mit normaler Ernährung nicht mehr zu füllen. Da darf man doch durchaus einmal unterstützend eingreifen, oder?

Was ist Orthomolekulare Medizin

Die Orthomolekularmedizin abgekürzt OM widmet sich genau diesen leeren Speichern und der Therapie mit Mikronährstoffen. Die OM ist eine mittlerweile schulmedizinisch fundierte, mit vielen Studien abgesicherte Therapieform und von der österreichischen Ärztekammer als Zusatzdiplom anerkannt[2]. Ich liebe diese Therapieform, weil man mit einfachen und ungefährlichen Mitteln Menschen rasch glücklich machen kann.

Wichtig ist in diesem Falle das Wort Therapie. Dieses Wort unterscheidet die orthomolekulare Medizin von der sinnlosen und exzessiven Empfehlung irgendwelcher, meist minderwertiger, Nahrungsergänzungspräparate. Davor möchte ich an dieser Stelle absolut warnen und auch massiv abraten. Nahrungsergänzung bzw. Mikronährstofftherapie gehört in die Hände von Experten. Therapie bedeutet immer Gespräch, sich Zeit nehmen, schulmedizinisch diagnostizieren und therapieren und natürlich auch den Behandlungserfolg kontrollieren.

Werkzeuge dieser Therapieform sind aber nicht Medikamente, sondern qualitativ hochwertige Reinsubstanzpräparate – Mikronährstoffe in geeigneter Dosierung und optimaler Bioverfügbarkeit. Die Dosis entscheidet auch bei Mikronährstoffen über Erfolg, Misserfolg oder sogar Schaden. Bevor du daher irgendwelche Vitaminpräparate ohne entsprechende Begleitung eines Experten einnimmst, investiere das ihr Geld lieber in ein gutes Essen.

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Was passiert bei einer Mikronährstofftherapie?

Der Anfang jeder sinnvollen Therapie ist das Gespräch mit dem Patienten. Nicht selten ist auch dieses Gespräch schon Therapie. Es ist doch schön, sich einmal in Ruhe alles von der Seele zu reden. Im Zuge dieser Erst-Ordination werden eventuell vorhandene Befunde besprochen und meistens erfolglos nach bereits diagnostizierten Mikronährstoffspeichern in Laborbefunden gesucht.

Nicht so selten werden dann auf meinem Schreibtisch zwischen 5 und 15 verschiedene bereits hoch motiviert eingenommene Nahrungsergänzungsmittel stolz aufgebaut. Meist mit den Worten: „Das alles habe ich schon eingenommen.“ Gratuliere! Nach kurzer Begutachtung der meist mit maximal 1 mm großen Buchstaben beschrifteten Etiketten landen diese Produkte zu 80 % direkt in meinem Mülleimer.

Qualität, Dosierung und Bioverfügbarkeit der einzelnen Mikronährstoffe ist absolut essentiell für einen Therapieerfolg. Aber wie sollst du als überforderter Laie in diesem Überangebot von Nahrungsergänzungsmittel das Richtige finden? Eben, meistens gar nicht. Nachdem mein Mülleimer befüllt wurde, widme ich mich immer dem Thema Ernährung. Oh welch ein Wunder. Ja auch ich als Orthomolekularmediziner bin interessiert an normalen Lebensmitteln. Ich freue mich besonders wenn ich jemanden sagen darf, dass all seine Speicher perfekt gefüllt sind.

Die Nahrungszufuhr und natürlich auch die Lebensführung beeinflusst selbstverständlich eventuelle Mikronährstoffmängel. Meistens achte ich dabei speziell auf die Qualität der gegessenen Lebensmittel. Ein Mikronährstoffbefund spiegelt relativ genau die Lebensweise meines Patienten wider. Kocht man selbst, lebt man in Harmonie, hat man einen eigenen Garten oder kauft man direkt beim Erzeuger ein, ist man gestresst oder betreibt man Sport? So Vieles hat Einfluss auf den Nährstoffstatus, deshalb ist es doch am naheliegendsten, einfach zu messen. Dazu benötigt man leider immer noch eine Blutabnahme.

Blutabnahme

Mikronährstoffmängel lassen sich am idealsten im Blut diagnostizieren. Dazu muss man als Arzt aber einiges wissen. Zum Beispiel, wo lasse ich dieses Blut untersuchen? Na im nächsten Labor, wo denn sonst? So einfach ist das eben nicht. Viele Werte, speziell Vitamine, werden nahezu in jedem Labor bestimmt. Spurenelemente hingegen müssen aber fast ausschließlich im Vollblut, bedeutet direkt in der Zelle, gemessen werden. Nur so kommt man zu einem seriösen Speicherwert. Das richtige Labor ist daher essentiell für einen aussagekräftigen Befund.

Ein Beispiel: Selen hat seinen Speicher im roten Blutkörperchen, nur ein Teil davon schwimmt außerhalb der Zellen also im Serum herum. Messe ich im Serum, was nahezu jedes Labor macht, messe ich nur einen zufälligen Wert zum Zeitpunkt der Blutabnahme. Möchte ich aber meinen tatsächlichen Selenspeicher bestimmen, muss ich dort messen, wo Selen gespeichert wird. Nämlich im roten Blutkörperchen = Vollblut. Diese Messung wird nur von wenigen Labors angeboten. Ich muss also immer wissen, wo ich nach Mängeln suche, in der Zelle oder außerhalb.

Der Blutbefund

In diesem Blutbefund wird speziell nach Mängeln in Bereich der Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe und Aminosäuren sowie Fettsäuren gesucht. Der Blutbefund ist aber nur der erste Schritt. Man braucht auch einen erfahrenen Therapeuten, der im Lesen dieser Befunde geschult ist. Gerade noch im Normalbereich bedeutet noch lange nicht ausreichend gefüllt! Ab wann spricht man von einem Mangel? Ab wann beginne ich zu therapieren? Muss man immer abwarten bis man Symptome bemerkt? Kann/soll ich schon vorsorglich, vor dem Auftauchen erster Symptome therapieren? Natürlich kann ich, sollte ich sogar. Das alles gilt es zu beachten und braucht einiges an Übung und Praxiserfahrung.

Der Blutbefund wird sehr ausführlich gemeinsam mit dem Patienten besprochen. Das Verstehen des Befundes ist entscheidend für die Motivation, die Therapie konsequent einzuhalten. Ich therapiere bzw. empfehle die unterschiedlichen Mikronährstoffe primär für 4 Wochen und kontrolliere dann gemeinsam mit dem Patienten den Behandlungserfolg. Meistens reicht ein weiteres Monat aus, um den Erfolg zu stabilisieren.

Das heißt, es ist meistens nicht nötig, die einzelnen Präparate über Monate hinweg einzunehmen. 8 Wochen sind sehr häufig ausreichend, besonders wenn es nur um das Auffüllen von Speichern geht. Sollte es nach 8 Wochen zu keinem gewünschten Erfolg kommen, muss abermals kontrolliert werden. Das ist aber sehr selten nötig. Der beste Beweis für Wirkung ist ein positives Feedback seitens der Patienten.

Therapie mit Mikronährstoffen

Für die Therapie einzelner Mikronährstoffmängel benötigt man Präparate optimaler Qualität und Dosierung. Das bedeutet:

  • Reinsubstanzen: Reinsubstanzpräparate sind frei von Zusatzstoffen, Laktose, Fruktose, Konservierungs- Farbstoffe uvm. Einfach nur der pure Rohstoff. Da fallen schon sehr viele Produkte durch den Rost.
  • Dosierung: Nur mit ausreichend hoher Dosierung kann man Speicher effektiv und schnell füllen. Viele Präparate sind viel zu nieder dosiert und sind daher in der Therapie auch unwirksam. Achtung: Hochdosierte Präparate können zulange eingenommen auch schaden. Wichtig:  Therapie immer ausreichend dosiert, nur solange wie nötig und nicht länger!
  • Bioverfügbarkeit: Der Mikronährstoff muss im Nahrungsergänzungsmittel in einer Form vorhanden sein, welche vom Körper gerne und gut resorbiert wird. Billige Präparate sind meist sehr schlecht bioverfügbar.
  • Erfolgskontrolle: Jede gezielte Therapie erfordert Kontrolle. Spätestens nach 4 Wochen regelmäßiger Einnahme der empfohlenen Mikronährstoffe sollte eine erste Wirkung spürbar sein. Sollte das nicht so sein, muss mittels erneuter Blutabnahme kontrolliert werden, ob die einzelnen Speicher mittlerweile besser gefüllt sind oder nicht. Eventuell verhindert eine geschädigte Darmflora eine ausreichende Resorption.

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Was passiert nach der orthomolekularmedizinischen Untersuchung?

Nachdem die Speichermängel behoben sind, wird gemeinsam darüber nachgedacht, wie in Zukunft Mängel durch gezielte Ernährungsumstellung und Änderung des Lebensstils vermieden werden können. Ernährung und echte Lebensmittel sollten immer die Basis sein. Mikronährstoffpräparate können gesunde und qualitativ hochwertige Lebensmittel nie ersetzen!

Die orthomolekulare Medizin bzw. die Therapie mit Mikronährstoffen ist also ein wichtiger Bestandteil der klassischen Schulmedizin und sollte in eine vernünftige vorsorgemedizinische Therapie immer mit einbezogen werden[3].

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Bildquellen

  • Eine Kapsel mit Früchten: Shawn Hempel | Shutterstock.com
  • Portrait von Mediziner Dr. Arno Sommeregger: Privat | Dr. Sommeregger

Quellenangaben

Quellenangaben
1 Uwe Gröber – Metabolic Tuning
2 Uwe Gröber – Orthomolekulare Medizin – Ein Leitfaden für Apotheker und Ärzte.
3 Norbert Fuchs – Mit Nährstoffen heilen – eine Einführung in die komplexe orthomolekulare Nährstofftherapie