Psychosomatik – Ursachen und ganzheitliche Behandlung

Wechselwirkungen zwischen Seele, Geist und Körper (Psychosomatik) sind unbestritten. Wir alle erfahren sie ständig in unserem Alltag. Psychosomatische Erkrankungen zeigen diesen Zusammenhang besonders deutlich und sollten am besten ganzheitlich behandelt werden. In diesem Artikel erfährst du mehr über Psychosomatik und Möglichkeiten der Behandlung.

Was ist Psychosomatik?

Psychosomatische Erkrankungen zeigen deutlich das enge Zusammenspiel zwischen Geist und Körper. Generell hat die Psyche großen Einfluss auf Vorgänge im Körper. Freude, Scham oder Wut lassen uns erröten. Stress schlägt auf den Magen. Direkt vor einer Prüfung oder bei Lampenfieber verspüren viele Menschen einen ständigen Harndrang oder bekommen Durchfall. Umgekehrt hat aber auch der Körper großen Einfluss auf die Psyche.

Ernähren wir uns gesund und halten uns fit, sind wir oft auch besser gelaunt. Sind wir krank oder haben Schmerzen, geht es uns auch psychisch schlecht. Wer unter chronischen Schmerzen leidet, der hat auch ein höheres Risiko für psychische Verstimmungen und Depressionen [1]Daniel K. Hall-Flavin, M.D.: Pain and depression. Is there a link? Mayo Clinic 2016: https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/depression/expert-answers/pain-and-depression/faq-20057823. Heute weiß man auch, wie wir bereits berichtet haben, dass die Darmflora großen Einfluss auf die Psyche und auf unsere Stimmung hat (Siehe: Wie Darmflora und Depression zusammenhängen).

Es ist also klar, dass Geist und Körper eine Einheit bilden. Geist und Körper arbeiten zusammen, regulieren sich gegenseitig und hängen voneinander ab. Umso verwunderlicher ist es, dass psychosomatische Erkrankungen immer noch oft als „eingebildet“ abgetan werden und weniger Ernst genommen werden, als Krankheiten, deren Entstehung man auf körperlicher Ebene nachvollziehen kann.

Was sind die Ursachen psychosomatischer Erkrankungen?

Von psychosomatischen Erkrankungen (Psychosomatik) spricht man immer dann, wenn keine organische Ursache für eine Erkrankung gefunden werden kann. Vor allem wenn Betroffene zusätzlich gerade unter seelischen Belastungen, Konflikten oder Krankheiten wie Depressionen leiden, liegt der Schluss nahe, dass diese psychischen Gründe die Beschwerden auslösen. Ganz klären lässt sich die Ursache aber oft nicht. Darum ist hier ein ganzheitlicher Behandlungsansatz besonders wichtig.

Wie entstehen psychosomatischen Erkrankungen?

Angst und Dauerstress führen zu einem Anstieg von Stresshormonen im Körper. Diese wirken sich nachweislich in vielerlei Hinsicht negativ aus. Unter anderem führen sie zu verschiedenen körperlichen Erkrankungen. Auch seelische Belastungen wie traumatische Erlebnisse oder Lebenskrisen führen zu einer ständigen Anspannung und dadurch zu Veränderungen im Körper. Zudem kann andauernder Stress das Immunsystem schwächen, sodass wir generell empfänglicher für Krankheiten werden.

Eine Frau, die sich die Hände vor das Herz hält und starke Emotionen erlebt als Symbol für Psychosomatik

Dazu kommen weitere Effekte. Menschen, die gerade psychisch stark angeschlagen sind oder unter Depressionen leiden, kümmern sich oft weniger um ihre Gesundheit. Sie treiben oft weniger Sport, ernähren sich ungesünder und auch Alkohol ist häufiger ein Thema.

Psychosomatik: Was ist Ursache, was Auswirkung?

Man könnte auch fragen: Was war zuerst da, die Henne oder das Ei? Oft lässt sich nicht genau sagen, wie die Psyche und eine körperliche Erkrankung zusammenhängen, da sie sich gegenseitig beeinflussen. So haben zum Beispiel depressive Menschen häufiger Herz-Kreislauf-Probleme. Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen hingegen werden auch öfter depressiv [2]Bühren A, et al. Psychische Erkrankungen: Alle Fachgebiete sind gefordert. Deutsches Ärzteblatt 2008;105(17):A 880–4..

Was hingegen sicher ist: Wer sich um seine seelische und psychische Gesundheit kümmert, der sorgt auch für die körperliche Gesundheit vor – und umgekehrt.

Welche typischen psychosomatischen Erkrankungen gibt es?

Es gibt sehr viele unterschiedliche Erkrankungen, die psychosomatisch bedingt sein können. Ihre Entstehung hängt jedoch nicht immer ausschließlich von psychischen Faktoren ab. Oft wird aber zumindest der Verlauf eindeutig durch die Psyche beeinflusst.

Einige der häufigsten psychosomatischen Erkrankungen:

  • Chronische Schmerzen, die keine nachweisbare organische Ursache haben, können psychisch bedingt sein. Auch Fibromyalgie, die mit Schmerzen in den Muskeln und an den Sehnenansätzen verbunden ist, hat laut Experten vermutlich sehr oft eine psychosomatische Komponente [3]Henningsen P, et al. Medically unexplained physical symptoms, anxiety, and depression: a meta-analytic review. Psychosom Med. 2003;65(4):528-33..
  • Das chronische Müdigkeitssyndrom (chronic fatigue syndrome, CFS) hat oft – aber nicht immer – psychische Ursachen.
  • Tinnitus ist ein klassisches Beispiel für eine psychosomatische Erkrankung. Haben wir „zu viel um die Ohren“, kann der Stress zu den lästigen Ohrgeräuschen führen.
  • Bei Reizdarm und Reizmagen spielen oft psychische Faktoren eine große Rolle [4]Henningsen P, et al. Medically unexplained physical symptoms, anxiety, and depression: a meta-analytic review. Psychosom Med. 2003;65(4):528-33..
  • Juckreiz kann psychogen sein. Das heißt, dass starker Juckreiz und exzessives Kratzen stressbedingt oder auch in langweiligen Situationen (Warten) auftreten.
  • Auch Asthma, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Allergien oder Hauterkrankungen werden unter anderem durch die Psyche in ihrem Verlauf beeinflusst.
  • Burnout
  • Bluthochdruck
  • Herzerkrankungen können psychosomatische Ursachen haben [5]Chauvet-Gelinier JC, Bonin B. Stress, anxiety and depression in heart disease patients: A major challenge for cardiac rehabilitation. Ann Phys Rehabil Med. 2017 Jan;60(1):6-12..
  • Essstörungen: Magersucht (Anorexie), Bulimie (Ess-Brech- Sucht), Bulimarexie (Esssucht mit anschließender Einnahme von Appetitzüglern, Abführ- und Entwässerungsmitteln) und das Binge-Eating-Syndrom (Essanfälle ohne Erbrechen).

Die Redewendung „sich etwas zu Herzen nehmen“ kommt nicht von ungefähr. Das Herz reagiert sensibel auf Stress, psychischen Druck und seelisches Leid. Doch kann man wirklich Herzprobleme durch Stress bekommen? Und was kann alles passieren? Hier erfährst du es.

Herzerkrankungen und Psychosomatik

Gerade für das Herz spielt psychischer Stress eine große Rolle [6]Im Internet: https://www.internisten-im-netz.de/fachgebiete/psyche-koerper/herz-psyche.html. Das muss nicht immer gleich bis zum Herzinfarkt gehen. Aber Mediziner berichten, dass sich bei rund 40 Prozent aller Herzpatienten bei der Anamnese seelische Konflikte im Hintergrund finden. Für das Herz sind dabei neben Stress vor allem Depressionen sehr belastend. Oft sind sensible, introvertierte und ängstliche Menschen davon betroffen. Sie reagieren auf psychischen Druck schnell mit höherem und unregelmäßigem Puls, mit Herzklopfen und Herzanfällen. Diese Situationen klingen bei ihnen zudem länger nach als bei stabileren, ausgeglicheneren Charakteren.

Das Problem: Diese Symptome können selbst wieder Angst und Anspannung auslösen. Ein Teufelskreis entsteht. Den zu durchbrechen und für das Herz Stress und Druck zu reduzieren, ist für diese Patienten besonders wichtig.

Herzprobleme durch Stress im Job

Hetzen von Termin zu Termin, immer höhere Ansprüche vom Chef, Druck von Kunden und Kollegen. Für das Herz ist das Stress pur. Anfangs ist es oft nur ein erhöhter Blutdruck oder gelegentliches Herzklopfen, die sich bemerkbar machen, wenn Stresshormone den Körper in Daueralarmbereitschaft versetzen. Das Herz schlägt dann oft schneller, mitunter unregelmäßig und muss mehr leisten. Lange unbemerkt bleiben entzündliche Prozesse, die im Körper jetzt leichtes Spiel haben. Das schadet auch den Blutgefäßen, die sich immer weiter verengen.

Je länger eine Stressphase anhält, umso stärker wird das Herz durch Stress beansprucht und schließlich überlastet. Dann reicht schon der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt – und schließlich zum stressbedingten Herzinfarkt führt. Besonders gefährlich: Zum Stress gesellt sich durch ein hektisches Arbeitsleben auch schnell eine ungesunde Lebensweise. Wenig Obst und Gemüse, viel Fastfood und Süßes und zu wenig Bewegung gehen ebenfalls damit einher und schaden dem Herzen zusätzlich.

Deshalb entwickeln gerade gestresste Berufstätige öfter ein metabolisches Syndrom mit Übergewicht, erhöhtem Cholesterin- und Blutzuckerspiegel und werden so zur Hochrisikogruppe für koronare Herzerkrankungen. Diese Dynamik entwickelt sich übrigens nicht nur bei Menschen mit stressigem Job. Auch privater Druck in der Familie und dem sozialen Umfeld können auf das Herz schlagen, wenn der Stress hier dauerhaft anhält – etwa bei Dauerstreit in der Familie oder bei der Doppelbelastung pflegender Angehöriger.

Eine Frau, die nachdenklich aus einem Fenster sieht

Depression ist Stress für das Herz

Während Bluthochdruck und stressbedingter Herzinfarkt recht bekannt sind als Folgen für das Herz, kann psychischer Druck auch das Gegenteil verursachen: einen sehr niedrigen Blutdruck. Dann nämlich, wenn es eine Depression ist, die dem Herzen zu schaffen macht [7]Kent LK, Shapiro PA. Depression and related psychological factors in heart disease. Harv Rev Psychiatry. 2009;17(6):377-88.

. Vor allem Frauen, aber auch Männer, leiden unter diesem Phänomen. In Phasen seelischer Anspannung, dem Gefühl der Überforderung oder Gefühlschaos sackt dann der Blutdruck ab.

Die Folge: Die Betroffenen fühlen sich einmal mehr antriebslos, unkonzentriert und schwach. Ihnen ist außerdem schwindelig, sie frieren leicht und haben mitunter ein unangenehmes Kribbeln vor allem in den Armen und Beinen. Auch Atembeschwerden und Ohrensausen können in diesem Fall vom Herz kommen, das den negativen Stress so widerspiegelt.

Herzprobleme – nicht alle sind gleich

Es gibt nicht nur den einen Herzinfarkt, genauso wenig wie es dafür nur eine Ursache gibt. Auch vom stressbedingten Herzinfarkt gibt es verschiedene Formen. Der sogenannte Typ2-Herzinfarkt etwa entsteht nicht durch einen Gefäßverschluss, sondern durch Sauerstoffmangel im Herzmuskelgewebe. Der bildet sich, weil der Muskel nicht mehr ausreichend durchblutet wird. In seinen Symptomen unterscheidet er sich allerdings quasi gar nicht vom klassischen Typ1-Herzinfakrt, den ein Gefäßverschluss auslöst.

Es gibt allerdings auch seltene Fälle, in denen Mediziner keine Ursache für den Infarkt finden. Vermutet werden hierbei durch Stress bedingte Verkrampfungen der Gefäße. Bewiesen ist diese Theorie allerdings noch nicht. Sogar der Herzschmerz hat einen Platz in der Psychosomatik der Herzerkrankungen. Tako-Tsubo-Syndrom, Stress-Kardiomyopathie oder Broken-Heart-Syndrom nennen ihn die Fachleute. Dieses Syndrom kann ebenfalls zu herzinfarktähnlichen Beschwerden führen. Wenn das Herz massiv unter emotionalem Stress leidet, kannst du sogar an einem gebrochenen Herzen sterben.

Wie schütze ich mein Herz

Um das Herz zu schützen, ist einerseits die Ebene der körperlichen Gesundheit von Bedeutung, das heißt, über die richtige Ernährung (z.B. Mittelmeerdiät) und moderaten Sport kann man sehr viel für die Herzgesundheit tun. Hierzu haben wir folgende Artikel für dich:

Praktische Tipps und ganzheitliche Behandlung psychosomatischer Erkrankungen

Bei psychosomatischen Erkrankungen ist es besonders wichtig, den Menschen ganzheitlich zu betrachten und nicht nur die körperlichen Symptome zu therapieren.

Praktische Tipps zur Behandlung

  • Wähle den richtigen Ansprechpartner aus: Vermutest du bei dir psychosomatische Ursachen für Beschwerden, solltest du sehr sorgfältig bei der Wahl deines Therapeuten vorgehen. Es kommt leider immer noch vor, dass Ärzte psychosomatische Erkrankungen weniger Ernst nehmen. Aus diesem Grund werden Krankheiten, die psychische Ursachen haben, oft lange Zeit gar nicht oder nur symptomatisch behandelt. Dabei könnte eine Therapie oft erfolgreich sein, wenn Seele und Psyche mit einbezogen wurden.
  • Entspannungstechniken: Diese haben nachweislich eine sehr positive Auswirkung auf den allgemeinen Gesundheitszustand.
  • Alternativmedizinische Ansätze: Wähle hier einen Heilpraktiker oder alternativmedizinisch arbeitenden Arzt deines Vertrauens.
  • Psychotherapien zur Aufarbeitung zugrundeliegender Konflikte.
  • Kuraufenthalte haben eine entspannende und regenerierende Wirkung.
  • Bewegungstherapien oder Musik- und Kunsttherapien können sich ebenfalls positiv auswirken [10]Universitätsklinikum Gießen-Marburg. Was ist Psychosomatik? (Info für Patienten): https://www.ukgm.de/ugm_2/deu/ugi_pso/7695.html.

Hast du das Gefühl, ein Arzt tut Symptome leichtfertig ab, hole dir in jedem Fall eine Zweitmeinung ein. Heute gibt es immer mehr Ärzte (auch Schulmediziner), die den Menschen als Gesamtes betrachten und einen ganzheitlichen Behandlungsansatz bevorzugen [11]Fava GA, et al. The Psychosomatic Practice. Acta Derm Venereol. 2016;96(217):9-13..

Selbsthilfe bei psychosomatischen Erkrankungen

  • Entspannungstechniken: Reagierst du mit körperlichen Beschwerden auf Stress und Belastungen, dann kann bewusste Entspannung helfen.
  • Achtsamkeit und Übungen für mehr Gelassenheit: Diese können dir helfen, mehr innere Ruhe zu finden. Hier findest du unseren Fachartikel dazu.
  • Sorge für ausreichend Schlaf.
  • Achte auf eine ausgewogene Ernährung.
  • Sorge für möglichst viel Bewegung in der Natur. In diesem Fachartikel erfährst du, wie dich die Natur entspannt und deinen Gesundheitszustand verbessert.
  • Besuche ein Schweigeretreat oder mache eine Pilgerwanderung. Beide Maßnahmen eignen sich sehr gut, mehr über sich selbst zu erfahren. Hier findest du einen persönlichen Erfahrungsbericht zum Schweigeretreat und hier einen Bericht zum Pilgern am Jakobsweg.
  • Stärke deine Intuition: Hier findest du unseren Fachartikel, wie du dein Bauchgefühl stärken kannst.
  • Widme dich der Selbstreflexion und den wichtigsten Frage des Lebens: Bin ich wirklich glücklich? Lebe ich mein Leben bewusst? Was muss ich in meinem Leben ändern?
  • Begrüße Veränderung in deinem Leben: Auf dieser Seite findest du unseren großen Artikel zum Thema Veränderung.

Leidest du jedoch bereits unter Beschwerden, dann solltest du diese immer beim Arzt deines Vertrauens abklären lassen und auch die Möglichkeit der Psychotherapie in Anspruch nehmen.

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Bildquellen

  • Psychosomatik: Wie Körper und Psyche zusammenhängen: Joe AS Reyes | Shutterstock.com
  • Angst und Dauerstress als Ursache für psychosomatische Beschwerden: wrangler | Shutterstock.com

Quellenangaben

Quellenangaben
1 Daniel K. Hall-Flavin, M.D.: Pain and depression. Is there a link? Mayo Clinic 2016: https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/depression/expert-answers/pain-and-depression/faq-20057823
2 Bühren A, et al. Psychische Erkrankungen: Alle Fachgebiete sind gefordert. Deutsches Ärzteblatt 2008;105(17):A 880–4.
3, 4 Henningsen P, et al. Medically unexplained physical symptoms, anxiety, and depression: a meta-analytic review. Psychosom Med. 2003;65(4):528-33.
5 Chauvet-Gelinier JC, Bonin B. Stress, anxiety and depression in heart disease patients: A major challenge for cardiac rehabilitation. Ann Phys Rehabil Med. 2017 Jan;60(1):6-12.
6 Im Internet: https://www.internisten-im-netz.de/fachgebiete/psyche-koerper/herz-psyche.html
7 Kent LK, Shapiro PA. Depression and related psychological factors in heart disease. Harv Rev Psychiatry. 2009;17(6):377-88.
8 Estruch R et al., Primary prevention of cardiovascular disease with a Mediterranean diet. N Engl J Med. 2013 Apr 4;368(14):1279-90.
9 Gielen S et al., Exercise training in patients with heart disease: review of beneficial effects and clinical recommendations. Prog Cardiovasc Dis. 2015 Jan-Feb;57(4):347-55.
10 Universitätsklinikum Gießen-Marburg. Was ist Psychosomatik? (Info für Patienten): https://www.ukgm.de/ugm_2/deu/ugi_pso/7695.html
11 Fava GA, et al. The Psychosomatic Practice. Acta Derm Venereol. 2016;96(217):9-13.