Schilddrüsenprobleme erkennen: Unterfunktion & Überfunktion Behandlung

Die Schilddrüse und ihre Hormone spielen eine zentrale Rolle im Stoffwechsel. Störungen der Schilddrüsenfunktion wirken sich deshalb sowohl körperlich als auch psychisch aus. Hier erfährst du alles über das kleine, aber wichtige Organ.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Aufgabe der Schilddrüse?

Die Schilddrüse hat Wechselwirkungen mit sehr vielen Körperfunktionen, Hormonen und dem Stoffwechsel. Eine wichtige Rolle für die Schilddrüsenfunktion und die Bildung der Schilddrüsenhormone spielt die Jod-Versorgung. Kommt es zu Störungen in dem Organ, führt das zu einer Vielzahl von Symptomen. Hierzulande ist rund jeder Dritte von einer Funktionsstörung der Schilddrüse betroffen – oft ohne es zu wissen (1). Zu den Schilddrüsenerkrankungen gehören die Schilddrüsenüberfunktion, die Schilddrüsenunterfunktion, die Bildung eines Kropfs, Knotenbildung sowie der Schilddrüsenkrebs.

Hier erfährst du, was die Schilddrüse ist, wie sie funktioniert und welche typischen Anzeichen es für Schilddrüsenerkrankungen gibt.

Wie ist der Aufbau der Schilddrüse?

Die Schilddrüse ist eine Hormondrüse und besteht aus zwei Drüsenlappen. Sie liegen unterhalb des Kehlkopfes bzw. über dem Übergang von Hals zu Brust jeweils links und rechts der Luftröhre. Der Isthmus, ein schmaler Gewebestreifen, verbindet die beiden Hälften. Dadurch hat die Schilddrüse in etwa die Form eines H oder eines Schmetterlings. Sie kann von Mensch zu Mensch aber sehr unterschiedlich aussehen. Eine festere Kapsel aus Bindegewebe umgibt und schützt die weichen Schilddrüsenlappen. Die Zellen der Schilddrüse sind von Lymphflüssigkeit umgeben. Die Lymphe fließt über Lymphgefäße und die am Hals liegenden Lymphknoten ab.

Die Größe der Schilddrüse ist individuell unterschiedlich. Meist wiegt sie zwischen 20 und 50 Gramm und ist insgesamt rund sieben bis zehn Zentimeter breit. Bei Frauen ist die Schilddrüse in der Regel deutlich kleiner als bei Männern.

Welche Schilddrüsenhormone gibt es?

Die Zellen der Schilddrüse bilden eine ganze Reihe verschiedener Hormone (2). Die beiden wichtigsten sind das Triiodtyhronin (T3) und das Thyroxin (Tetraiodthyronin, T4). Sie sind immer dann gemeint, wenn von den „Schilddrüsenhormonen“ gesprochen wird. Die Schilddrüse produziert vor allem T4. Dieses wird oft erst in den Zielzellen in das vielfach stärker wirksame T3 umgewandelt.

Die Konzentration von T3 und T4 wird durch das Hormon TSH (Thyreotropin oder Thyreoidea-stimulierendes Hormon) gesteuert. TSH wird bei sinkendem T3- und T4-Spiegel von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) freigesetzt und regt die Produktion von T3 und T4 an. Das TSH wiederum unterliegt einer Regulierung durch den Hypothalamus und das dort gebildete TRH (Thyreotropin Releasing Hormon).

Zwei weitere Hormone hängen eng mit der Schilddrüse zusammen, gehören jedoch zu einem gänzlich anderen Regulationskreis: Das Parathormon und das Calcitonin. Beide regulieren den Calciumhaushalt im Körper und haben dabei entgegengesetzte Wirkung. Calcitonin senkt und Parathormon erhöht den Calciumspiegel. Calcitonin wird in bestimmten Zellen der Schilddrüse gebildet. Parathormon stammt aus den Nebenschilddrüsen. Die Nebenschilddrüsen sind vier nur etwa einen halben Zentimeter große Drüsen, die auf der Rückseite der Schilddrüsenlappen eingebettet sind. Im Folgenden geht es aber ausschließlich um die klassischen jodhaltigen Schilddrüsenhormone T3 und T4.

Funktion der Schilddrüse

Die Schilddrüse kann Jod speichern (mehr dazu unten) und bildet mit Hilfe des Jods die Schilddrüsenhormone Triiodtyhronin (T3) und Thyroxin (T4). T3 und T4 erfüllen eine Vielzahl von Funktionen im Körper:

  • Erhöhung von Blutdruck und Herzfrequenz
  • Steigerung der Muskelfunktion
  • Anregung des Zucker- und Fettstoffwechsels sowie des Cholesterinabbaus
  • Steigerung der Darmmotorik
  • Anregung der Sekretion von Talg und Schweiß in der Haut
  • Erhöhung von Energieverbrauch, Sauerstoffverbrauch, Glucoseaufnahme und Körpertemperatur
  • Steigerung der Nervenerregbarkeit
  • Regulation der Zellteilung und des Wachstums
  • Wichtiger Faktor bei der embryonalen Entwicklung, bei der Bildung des Skeletts und des Nervensystems

Diese Funktionen bedingen die typischen Symptome einer Überfunktion oder Unterfunktion der Schilddrüse (siehe unten).

Schilddrüse und Fruchtbarkeit

Auch für die Fruchtbarkeit (vor allem bei Frauen) und in der Schwangerschaft spielt die Funktion der Schilddrüse eine Rolle. Es ist schon länger bekannt, dass Störungen der Schilddrüsenfunktion (vor allem ein erhöhter TSH-Wert und /oder Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse) zu Unfruchtbarkeit führen können (3). Deshalb gehört die Bestimmung der Schilddrüsenwerte häufig zu den ersten Untersuchungen, die bei Frauen vorgenommen werden, die längere Zeit trotz Kinderwunsch nicht schwanger werden. Neueste medizinische Erkenntnisse bestätigen diesen Zusammenhang, zeigen aber auch, dass hier offensichtlich mehrere Faktoren zusammenspielen (4). Eine Substitution mit Schilddrüsenhormonen behebt die Unfruchtbarkeit oft nicht (oder nicht ganz). Bist du betroffen, dann kann es nicht schaden, wenn du dir die untenstehenden Tipps durchliest, um die Funktion deiner Schilddrüse zu unterstützen.

Bedeutung der Jod-Versorgung für die Schilddrüse

Für die Bildung der beiden wichtigsten Schilddrüsenhormone T3 und T4 wird Jod benötigt. Ein Erwachsener sollte pro Tag deshalb rund 200 µg Jod zuführen. Dieser Bedarf lässt sich nur schwer über die Ernährung decken. Der Grund sind unsere jodarmen Böden. Im Meer findet sich jedoch viel Jod, deshalb gehört Seefisch (Meeresfisch) zu den jodreichsten Nahrungsmitteln. Da Seefisch allerdings hohe Schadstoffbelastungen aufweisen kann und die Meere überfischt sind, kann man den Konsum von Seefisch nicht empfehlen. Die Hauptquelle für Jod ist hierzulande das jodierte Speisesalz.

Dadurch, dass auch Tierfutter immer häufiger Jod zugesetzt wird, haben auch Milch und Eier heute einen Jodgehalt, der zur Jodversorgung beiträgt.

Folgen von Jodmangel auf die Schilddrüse

Besteht ein Jodmangel, versucht der Körper, diesen durch eine Vermehrung des Schilddrüsengewebes auszugleichen. Die Schilddrüse vergrößert sich. Ein Kropf entsteht. Doch Jodmangel hat auch weitere Folgen. Er kann bei werdenden Müttern die Entwicklung des Ungeborenen beeinträchtigen. Bei Kindern führt Jodmangel zu Entwicklungsdefiziten. Erwachsene haben neben dem Kropf auch mit Störungen der Fruchtbarkeit zu kämpfen.

Zu viel Jod?

Die meisten Menschen in Deutschland und Österreich sind mit Jod eher unter- als überversorgt. Kropfbildung tritt immer noch häufig auf, was durch Jodmangel bedingt ist. Ohne einen nachgewiesenen Mangel sollte man dennoch nicht zu Tabletten mit Jod greifen, ansonsten kann es zu einer Jodüberversorgung kommen (5). Auch bei der Zufuhr von Algen und Algenpräparaten, die sehr jodreich sind, sollte man vorsichtig sein und sich an die Verzehrsempfehlungen halten.

Aufpassen müssen auch Schilddrüsenerkrankte, denen der Arzt eine möglichst geringe Jodzufuhr verordnet hat. Darum wird bei Schwangeren in der Regel zuerst die Schilddrüse untersucht, bevor die Jodtabletten verordnet werden.

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Einfluss von Ernährung und Mikronährstoffen auf die Schilddrüse

Nicht nur Jod ist für eine normale Schilddrüsenfunktion von Bedeutung, sondern zahlreiche andere Mikronährstoffe. Eisen und Kupfer sind maßgeblich wichtig für die Hormonsynthese, Selen und Zink werden für die Umsetzung von T4 zu T3 benötigt, und Vitamin D reguliert das Immunsystem. Studien zeigen, dass ein Vitamin-D-Mangel Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (Hashimoto, Basedow-Krankheit) begünstigen kann (6). Vor allem bei Hashimoto spielen Ernährung und Mikronährstoffe eine maßgebliche Rolle (7). Speziell Selen haben verschiedene medizinische Forschergruppen in den letzten Jahren intensiv unter die Lupe genommen. Man weiß bereits seit den 1990er-Jahren, dass Selen Bestandteil eines Enzyms ist, dass die Schilddrüsenhormone aktiviert. Heute wird Selen erfolgreich bei Schilddrüsenerkrankungen wie der Basedow-Krankheit eingesetzt, um die Schilddrüsenüberfunktion zu vermindern (8).

Leere Mikronährstoff-Speicher können also die Schilddrüsenfunktion negativ beeinflussen. Daher ist anzuraten, einen Mikronährstoff-Status durchführen zu lassen und wenn Mängel nachgewiesen werden, diese mittels geeigneter Präparate gezielt aufzufüllen. Dazu ist es wichtig, einen Spezialisten, z.B. Orthomolekularmediziner, aufzusuchen, der dich durch eine solche Therapie begleitet.

Darm, Darmflora und Schilddrüse – eine enge Verbindung

Die Ernährung hat jedoch nicht nur deshalb einen Einfluss auf die Schilddrüse, weil sie für ausreichend Mikronährstoffe und antioxidativ wirkende Substanzen sorgt. Auch der Einfluss auf die Darmflora könnte dabei eine große Rolle spielen. Neue Studien weisen darauf hin, dass es eine enge Verbindung zwischen Schilddrüse und Darmflora gibt (9). Forscherinnen aus Graz berichteten 2020, dass eine gesunde Darmflora nicht nur das Immunsystem, sondern auch die Schilddrüsenfunktion verbessern kann (10). Auch bei Schilddrüsenkrebs, so berichten die Forscherinnen, konnte eine veränderte Darmflora nachgewiesen werden. Auffällig ist laut dieser Studie auch, dass bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse häufiger eine Weizen-Unverträglichkeit oder Zöliakie auftritt. Aus diesem Grund könnten auch Probiotika einen positiven Effekt bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen haben.

Wie erkenne ich Schilddrüsenprobleme? Erkrankungen der Schilddrüse und ihre Symptome

Es gibt eine ganze Reihe von Auffälligkeiten und Erkrankungen der Schilddrüse. Die Häufigsten haben wir für dich im Folgenden aufgelistet. Hier erfährst du auch, welche Anzeichen auf eine Schilddrüsenüberfunktion oder Schilddrüsenunterfunktion hindeuten können.

Mach den Schlucktest

Das Forum-Schilddrüse, eine Vereinigung von Schilddrüsenspezialisten und Ärzten, liefert viele hilfreiche Informationen für Patienten. Dort findet man auch eine Anleitung für den Schlucktest. Dieser kann dir schnell und einfach einen Hinweis geben, ob deine Schilddrüse vergrößert ist oder größere Knoten aufweist.

  • Nimm ein Glas Wasser und stelle dich vor einen Spiegel.
  • Trinke einen Schluck Wasser, lege beim Schlucken den Kopf in den Nacken.
  • Betrachte den Bereich unter dem Kehlkopf und über dem Schlüsselbein beim Schlucken im Spiegel.
  • Fällt dir beim Schlucken eine Schwellung in diesem Bereich auf? Dann solltest du einen Arzttermin vereinbaren und die Schilddrüse anschauen lassen.

Sorgen machen musst dir dann aber nicht. Es muss nicht immer eine Veränderung der Schilddrüse dahinterstecken. Da Veränderungen aber oft nicht oder sehr spät erkannt werden, kann es ein hilfreicher Hinweis sein, gerade im Hinblick auf eine beginnende Kropfbildung.

Kropf (Struma), Knoten und Schilddrüsenkrebs

Vergrößert sich die Schilddrüse deutlich, spricht man von einem Kropf (medizinisch: Struma). Bei Jodmangel wächst die Schilddrüse, um das fehlende Jod zu kompensieren. Je nach Region hat ungefähr jeder sechste bis dritte Erwachsene einen Kropf. Wird die Schilddrüse zu groß, kann sie auf Luft- und Speiseröhre drücken. Ansonsten ist ein Kropf jedoch weitgehend harmlos.

Ein größeres Risiko ist mit Knoten in der Schilddrüse verbunden. Diese treten oft (aber nicht immer) gemeinsam mit einem Kropf auf. Die meisten Knoten sind jedoch nicht bösartig, nur selten sind sie ein Hinweis auf Schilddrüsenkrebs. Man unterscheidet hier die folgenden Arten:

  • Heiße Knoten sind Gewebebereiche mit gesteigerter Schilddrüsenfunktion. Sie entstehen meist durch Jodmangel und können zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen.
  • Kalte Knoten zeigen weniger Aktivität als das umliegende Schilddrüsengewebe. Aus ihnen kann sich in seltenen Fällen Schilddrüsenkrebs entwickeln.
  • Schilddrüsenkrebs ist sehr selten und lässt sich zum Glück oft gut behandeln. Nur vier von 100.000 Einwohnern sind betroffen.

Da Knoten in der Schilddrüse meist nicht schmerzen oder sich anderweitig bemerkbar machen, erkennt man sie selbst oft kaum. Anzeichen können ein Kropf oder die unten genannten Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion sein.

Wie erkenne ich eine Schilddrüsenüberfunktion?

Die Schilddrüsenüberfunktion ist mit einer Bildung zu großer Mengen an Schilddrüsenhormonen (Hyperthyreose) verbunden. Die Ursache kann zum Beispiel Morbus Basedow sein (siehe unten) oder auch eine Autonomie der Schilddrüse. Von Autonomie spricht man, wenn Teile der Schilddrüse nicht mehr auf die hormonelle Regulation durch die Hypophysenhormone reagieren. Es treten oft die folgenden typischen Beschwerden durch den zu hohen Hormonspiegel auf.

Eine Frau mit SchilddrüsenproblemenSymptome der Schilddrüsenüberfunktion

  • Schwellungen am Hals, Schluckbeschwerden oder Heiserkeit durch eine vergrößerte Schilddrüse
  • Ruhelosigkeit und Nervosität
  • Reizbarkeit
  • Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen
  • Zittern, Muskelschwäche oder Muskelschmerzen
  • Starkes Schwitzen oder warme Haut, Hitzeempfindlichkeit
  • Beschleunigter Herzschlag bis hin zum Herzrasen, hoher Blutdruck
  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Brüchige Haare und Nägel, Haarausfall
  • Gerötete, lichtempfindliche oder verschwollene Augen
  • Dunkle oder helle Flecken (Vitiligo) auf der Haut
  • Durchfall
  • Menstruationsstörungen und verminderte Libido / Potenz

Zusätzlich kann auch Bluthochdruck mit einer Schilddrüsenüberfunktion zusammenhängen (11). Aber all diese Symptome können natürlich auch andere Ursachen haben. Erkennst du dich darin jedoch wieder und hast das Gefühl, dass verdächtig viele dieser Symptome auf dich zutreffen, sollte ein Arzt die Schilddrüsenwerte im Blut bestimmen und eine Tastuntersuchung der Schilddrüse durchführen.

Wie erkenne ich eine Schilddrüsenunterfunktion?

Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse werden zu wenig Schilddrüsenhormone (T3 und T4) gebildet (12). Diese Hormone können durch Medikamente (L-Thyroxin) ersetzt werden. Meist werden diese Medikamente ein Leben lang verordnet, da aus schulmedizinischer Sicht fast alle Formen der Schilddrüsenunterfunktion nicht heilbar sind. Typisch für eine Unterfunktion der Schilddrüse ist ein langsamer und schleichender Beginn. Symptome werden dadurch oft lange Zeit nicht wahrgenommen oder nicht der Schilddrüse zugeordnet. Viele der Beschwerden werden auch als Folgen der Wechseljahre oder eines steigenden Lebensalters interpretiert.

Symptome der Schilddrüsenunterfunktion

  • Schnelles Frieren, Kälteempfindlichkeit
  • Erschöpfung, großes Schlafbedürfnis, Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit
  • Die Haut ist blass, trocken und kühl
  • Haarausfall und spröde, brüchige Haare und Nägel
  • Gewichtszunahme ohne Änderung der Ernährung
  • Erhöhtes LDL-Cholesterin
  • Depressive Verstimmungen
  • Muskelschmerzen, steife oder schwache Muskeln
  • Nachlassendes Gedächtnis
  • Langsamere Reflexe und verlangsamte Sprache
  • Tiefe Stimme, Heiserkeit
  • Verstopfung
  • Unregelmäßiger weiblicher Zyklus, Empfängnisprobleme, unerfüllter Kinderwunsch
  • Aufgeschwemmte Beine, Arme, Gesicht oder Wassereinlagerungen in den Augenlidern (Myxödeme)
  • Manchmal tritt auch ein Kropf auf

Wenn du mehrere dieser Symptome bei dir oder jemandem in deinem Umfeld entdeckst, kann ein Arztbesuch sinnvoll sein. Dieser kann bei Bedarf die Schilddrüsenfunktion schnell und einfach abklären.

Autoimmunerkrankungen: Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis

Ursache für eine Überfunktion oder Unterfunktion der Schilddrüse können verschiedene Autoimmun-Reaktionen sein. Bei Autoimmunerkrankungen greift das Abwehrsystem des Körpers das körpereigene Gewebe an. Bei Morbus Basedow und Hashimoto richtet sich diese Reaktion gegen das Schilddrüsengewebe. Die Symptome entsprechen größtenteils der entstehenden Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse.

  • Hashimoto-Thyreoditis: Es kommt zu einer chronischen Schilddrüsenentzündung. Im Anfangsstadium entsteht manchmal eine Überfunktion, langfristig gesehen eine Unterfunktion der Schilddrüse. Meist tritt Hashimoto im Alter zwischen 30 und 50 Jahren auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
  • Morbus Basedow: Eine der Hauptursachen für die Schilddrüsenüberfunktion. Im Körper werden Antikörper gebildet, die die Schilddrüse aktivieren und die Bildung von Schilddrüsenhormonen unkontrolliert erhöhen. Morbus Basedow ist oft mit Symptomen der Augen und des Bindegewebes verbunden.

Wie werden Schilddrüsenprobleme behandelt?

Schilddrüsenunterfunktion Symptome und Behandlung

Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion

Es gibt verschiedene Ursachen, die zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen können:

Hashimoto-Thyreoiditis

Die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenfunktion ist die Hashimoto-Thyreoiditis. Es handelt ich dabei um eine Autoimmunerkrankung. Der Körper bildet Antikörper, die das eigene Schilddrüsengewebe angreifen und schädigen. Die Erkrankung kann in seltenere Fällen einen schweren Verlauf nehmen, doch meist lässt sie sich durch eine geeignete Behandlung gut kontrollieren, sodass du keine Verminderung deiner Lebensqualität in Kauf nehmen musst.

Angeborene Schilddrüsenunterfunktion

Manche Kinder werden mit einer fehlerhafte entwickelten Schilddrüse geboren. Unter Umständen kann die Schilddrüse sogar ganz fehlen. Diese angeborenen Defekte sind zum Glück selten. Ein weiterer Grund für eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion: Erhält die Mutter in der Schwangerschaft zu hoch dosierte Medikamente gegen eine Schilddrüsenüberfunktion, kann sich daraus beim Kind bereits im Mutterleib eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln.

Jodmangel

Um die Schilddrüsenhormone zu bilden, benötigt der Körper Jod. Dauerhafter starker Jodmangel kann dazu führen, dass sich daraus eine Unterfunktion der Schilddrüse entwickelt. Infos zur Jod-Versorgung findest du weiter unten bei den Tipps zur Ernährung.

Krankheiten und ärztliche Behandlungen als Ursache

In manchen Fällen kommt es auch vor, dass die Therapie einer Schilddrüsenüberfunktion zu stark anschlägt. Bestrahlungen oder Medikamente, die eine zu hohe Produktion von Schilddrüsenhormonen eindämmen sollen, können bei zu starker Wirkung über das Ziel hinausschießen. Dann entsteht aus der Überfunktion eine Unterfunktion. Auch wenn die Schilddrüse, zum Beispiel wegen eines Kropfes, teilweise entfernt werden muss, kann eine Unterfunktion die Folge sein.

Sekundäre und tertiäre Schilddrüsenunterfunktion

Auch wenn die Schilddrüse völlig normal funktioniert, kann eine Unterfunktion entstehen. Das kann der Fall sein, wenn übergeordnete Regelkreise gestört sind. Die Produktion der Schilddrüsenhormone wird von bestimmten Gehirnregionen gesteuert. Der Hypothalamus setzt das Hormon TRH frei, das die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) wiederum zur Produktion eines weiteren Hormons (TSH) anregt. Dieses fördert die Bildung von Schilddrüsenhormonen.

Von einer sekundären Schilddrüsenunterfunktion spricht man, wenn die TSH-Bildung in der Hypophyse gestört ist. Gründe können Tumore in der Hypophyse, Verletzungen der Hypophyse (zum Beispiel durch ein schweres Schädel-Hirn-Trauma nach einem Unfall) oder auch Bestrahlungen sein.

Noch seltener ist die tertiäre Schilddrüsenunterfunktion. Hier liegt die Ursache für die Schilddrüsenunterfunktion darin, dass der Hypothalamus zu wenig TRH bildet.

Weitere mögliche Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion

Es gibt weitere, mögliche Ursachen, bei denen der genaue Zusammenhang zum Teil noch nicht vollständig medizinisch geklärt oder nicht umfassend belegt ist. Sie könnten jedoch zu einer Schilddrüsenunterfunktion beitragen. Darum kann es sich für dich lohnen, die folgenden Punkte mit deinem Hausarzt oder deiner Frauenärztin zu besprechen, falls du einen Zusammenhang mit deiner Schilddrüsenunterfunktion vermutest. Welche Maßnahmen du selbst dagegen ergreifen kannst, kannst du unten bei den Behandlungsmöglichkeiten nachlesen.

  • Chronischer Stress: Dauerhafter Stress führt dazu, dass Stresshormone wie Cortisol nicht abgebaut werden können. Dadurch könnte eine Unterfunktion der Schilddrüse begünstigt werden. Belegt ist der Zusammenhang zum Beispiel für posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). Menschen können nach stark belastenden Ereignissen unter PTBS leiden (z. B. als Folge von Missbrauch, Krieg, Terror, Folter oder schweren Unfällen). Frauen mit PTBS entwickeln deutlich häufiger eine Schilddrüsenunterfunktion. Das zeigt eine aktuelle Studie (13). Das Risiko für Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto oder rheumatoide Arthritis steigt bei Menschen mit PTBS nachweislich an (14). Dahinter scheint ein Zusammenhang zwischen Stresshormonen, Schilddrüse und Immunsystem zu stecken, den Forscher gerade genauer untersuchen.
  • Ungleichgewicht der weiblichen Geschlechtshormone: Die Schilddrüsenunterfunktion betrifft häufiger Frauen als Männer. Ausschlaggebend dafür scheinen die weiblichen Geschlechtshormone zu sein, die eng mit den Schilddrüsenhormonen zusammenhängen. Zum einen wirkt sich die Schilddrüsenfunktion auf den weiblichen Zyklus, die Fruchtbarkeit und Schwangerschaft aus. Zum anderen beeinflussen die Geschlechtshormone wiederum die Schilddrüse. Ein Beispiel ist ein Mangel an Progesteron (Gelbkörperhormon). Oft geht dieser mit einer sogenannten Östrogendominanz einher. Das bedeutet, dass das Östrogen-Progesteron-Verhältnis deutlich in Richtung des Östrogens verschoben ist. Dadurch kann eine Hashimoto-Thyreoiditis entstehen (15), die sich in manchen Fällen bereits durch Behandlung des Progesteronmangels bessert.
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Das PCO-Syndrom ist eine Störung im weiblichen Hormonhaushalt, die mit der Bildung von Eierstockzysten und einer Überproduktion männlicher Hormone einhergeht. Frauen mit PCOS haben auch deutlich häufiger eine Hashimoto-Thyreoiditis (16). Wie genau beide Faktoren einander beeinflussen, ist noch nicht sicher geklärt.
  • Vitamin- und Mineralstoffmangel: Für die Bildung der Schilddrüsenhormone sind bestimmte Nährstoffe notwendig. Vor allem Vitamin D, Selen und Zink sollten in ausreichender Menge vorliegen. Ein Mangel kann eine Schilddrüsenunterfunktion begünstigen oder die Behandlung erschweren.

Therapie mit L-Thyroxin (Substitutionstherapie)

Die Therapie bei einer Schilddrüsenunterfunktion wird standardmäßig durchgeführt, indem man die zu wenig gebildeten Schilddrüsenhormone ersetzt (substituiert). Für diese Substitutionstherapie wird L-Thyroxin (T4) verwendet. Dieses wird im Körper in das eigentlich wirksame Triiodthyronin (T3) umgewandelt.

Der Therapiebeginn ist dabei immer eine kritische Phase, denn jeder Mensch reagiert anders auf das L-Thyroxin und kleine Änderungen können Auswirkungen auf die Symptome der Unterfunktion und das Allgemeinbefinden haben. Meist tastet man sich über einige Wochen oder Monate an die optimale Dosis heran. Wer andere Medikamente einnimmt oder Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Epilepsie hat, sollte mit dem Arzt seines Vertrauens das genaue Vorgehen durchsprechen. Denn hier muss besonders sorgfältig dosiert und regelmäßig kontrolliert werden.

Da sich bei manchen Patienten selbst kleinste Änderungen bemerkbar machen können, raten Ärzte meist davon ab, zwischen verschiedenen Herstellern des L-Thyroxin-Präparats zu wechseln. Der Grund: Die sogenannten Generika (Nachahmerpräparate) enthalten alle den exakt gleichen Wirkstoff in der exakt gleichen Dosierung. Allerdings können andere Herstellungsverfahren, Binde- und Füllstoffe dafür sorgen, dass der Wirkstoff unterschiedlich freigesetzt wird und die sogenannte Bioverfügbarkeit leicht verändert ist. Bei Medikamenten wie Kopfschmerztabletten spielen solche kleinen Unterschiede keine Rolle. Bei L-Thyroxin aber möglicherweise schon.

Wann ist eine Therapie einer Schilddrüsenunterfunktion notwendig?

Ob L-Thyroxin eingesetzt wird, hängt davon ab, wie ausgeprägt die Unterfunktion ist. Sinken die Schilddrüsenhormone ab, bildet die Hypophyse mehr TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon oder Thyreotropin), um die Hormonbildung anzuregen. Ein erhöhter TSH deutet also auf eine beginnende Unterfunktion hin, auch wenn die Werte der Schilddrüsenhormone noch normal sind und keine Symptome auftreten. Man spricht dann von einer latenten oder subklinischen Schilddrüsenunterfunktion.

Eine manifeste Schilddrüsenunterfunktion hingegen macht sich durch Symptome und veränderte Werte der Schilddrüsenhormone (T3, T4) bemerkbar.

Die aktuellen ärztlichen Leitlinien, also die Empfehlungen der erfahrensten medizinischen Experten auf diesem Gebiet, geben an, dass bei einer manifesten Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) immer eine Gabe von L-Thyroxin erfolgen sollte (17). Eine latente Hypothyreose hingegen muss oft noch nicht behandelt, jedoch regelmäßig kontrolliert werden. Der Arzt wird hier jedoch individuell entscheiden.

Subklinische Schilddrüsenunterfunktion behandeln?

Bei sehr hohem TSH (mehr als 10 mU/L), bei Vorliegen eines Kropfes (Struma) oder anderen Besonderheiten kann die Behandlung einer subklinischen Schilddrüsenunterfunktion durchaus sinnvoll sein. Auch wenn bei bestehendem Kinderwunsch eine Schwangerschaft auf sich warten lässt, kann die Behandlung einer subklinischen Unterfunktion als Mittel zur Steigerung der Fruchtbarkeit ausprobiert werden.

In jedem Fall gilt: Der TSH sollte mindestens noch einmal mit etwas Abstand nachgemessen werden, bevor eine Therapie begonnen wird, denn der Wert schwankt stark. Denn Experten berichten, dass es immer wieder vorkommt, dass L-Thyroxin in Fällen eingesetzt wird, bei denen es gar nicht nötig war. Auf der anderen Seite ist eine Schilddrüsenunterfunktion mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Gerade bei jungen Menschen und einem TSH über 10 mU/L raten deshalb manche Ärzte generell zur Behandlung.

Kann oder sollte man zusätzlich zu T4 (L-Thyroxin) auch T3 substituieren?

Nicht bei jedem Patienten schlägt die Substitution mit L-Thyroxin (T4) so an, wie man sich das erhofft. Das ist schon lange bekannt und wird in Ärztekreisen seit einigen Jahren häufig diskutiert. Offensichtlich ist bei einigen Menschen eine zusätzliche Gabe von Trijodthyronin (T3) nötig, damit sie sich wohl fühlen und symptomfrei sind.

Der Körper kann zwar aus T4 selbst T3 bilden, das ist jedoch nicht bei allen Patienten gleichermaßen gut möglich. Darauf weist eine Studie von Berliner Forschern hin, die das Enzym Dejodinase Typ 1 untersuchten (18). Dieses Enzym beschleunigt die Umwandlung von T4 in T3. Bei etwa jedem sechsten untersuchten Patienten (16 Prozent der Studienteilnehmer) lag eine veränderte Variante der Dejodinase Typ 1 vor. Und genau diese Menschen fühlten sich deutlich besser, wenn sie statt T4 eine Kombination aus T4 und T3 bekamen. Von Experten wird eine solche Behandlung aber nur empfohlen, wenn bei ausschließlicher T4-Therapie die Lebensqualität weiterhin maßgeblich eingeschränkt ist.

Solltest du dich trotz Einnahme eines L-Thyroxin-Präparates und normalen Schilddrüsenwerten schlecht fühlen, unter zunehmendem Übergewicht oder Depressionen leiden, Haarausfall haben oder morgens kaum aus dem Bett kommen: Sprich deinen Arzt darauf an, ob bei dir diese Möglichkeit sinnvoll sein könnte. Eine andere mögliche Alternative ist die Einnahme von natürlichen Schilddrüsenextrakten.

Schilddrüsenextrakte zur Behandlung bei Hashimoto und Schilddrüsenunterfunktion

Von manchen Medizinern und Betroffenen wird empfohlen, einen getrockneten Schilddrüsenextrakt (meist vom Schwein) als Therapeutikum bei Schilddrüsenunterfunktion einzusetzen. Der Grund: Dieser Schilddrüsenextrakt enthält nicht nur T4, sondern eine Mischung aller natürlich vorkommenden Schilddrüsenhormone und Vorstufen.

In einer Studie (19) mit 70 Patienten wurde gezeigt, dass der Schilddrüsenextrakt gleich gut wirkte wie L-Thyroxin. Fast die Hälfte der Patienten fühlte sich jedoch mit dem Extrakt subjektiv besser. Nur 19 Prozent ging es mit L-Thyroxin besser. Der Rest (rund ein Drittel) bemerkte keinen Unterschied.

Allerdings sind die Extrakte weniger einfach dosierbar. Die Einstellung auf die korrekte Dosierung ist deshalb schwierig und sollte sehr engmaschig ärztlich kontrolliert werden. Die Präparate werden zudem von den Krankenkassen nur im Ausnahmefall bezahlt.

Für wen ist natürlicher Schilddrüsenextrakt eine Alternative?

Wer synthetisches L-Thyroxin nicht verträgt, für den ist der tierische Schilddrüsenextrakt eine gute Alternative. Auch wer, wie oben schon beschrieben, unter L-Thyroxin nicht symptomfrei ist, für den könnte diese Möglichkeit geeignet sein. Das gilt zum Beispiel für Menschen, die trotz gut eingestellter T4-Therapie weiterhin an Gewicht zunehmen oder Depressionen, Haarausfall oder eine niedrige Körpertemperatur haben. Wenn du daran Interesse hast, solltest du dich am besten nach einem Facharzt erkundigen, der Erfahrung mit dem Einsatz dieser Präparate hat. Gute Anlaufstellen für Informationen sind auch Foren, Facebook-Gruppen und Selbsthilfegruppen, wo Betroffene ihre Erfahrungen austauschen können.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Hashimoto und Schilddrüsenunterfunktion

In seltenen Fällen reicht eine Substitution der Schilddrüsenhormone nicht aus. Das kann der Fall sein, wenn eine Hashimoto-Erkrankung mit einer Vergrößerung der Schilddrüse einhergeht. Dann kann bei manchen Patienten eine operative Entfernung der Schilddrüse notwendig werden. So lässt sich auch vermeiden, dass der Autoimmunprozess sich auf andere Organe ausweitet, was in Einzelfällen vorkommen kann. Auch bei vollständig fehlender Schilddrüse lassen sich die Hormone durch eine Substitutionstherapie ersetzen.

Je nach Verlauf der Schilddrüsenunterfunktion können während der Therapie auch andere Medikamente zum Einsatz kommen. Dazu gehört zum Beispiel hochdosiertes Kortison, das Ärzte zum Beispiel einsetzen, wenn bei Hashimoto das Gehirn mit betroffen ist (Hashimoto-Enzephalopathie).

Tipps: Das kannst du selbst bei Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto tun

Wenn bei dir Hashimoto oder eine andere Art der Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert wurde, solltest du zunächst die schulmedizinische Behandlung in Angriff nehmen. Sind die Dosierung des Medikaments und deine Schilddrüsenwerte gut eingestellt, verschwinden die Symptome meist vollständig und das Allgemeinbefinden steigt. Falls nicht, lies dir oben die Informationen zur Behandlung mit T3 oder Schilddrüsenextrakten durch.

Hast du damit die wichtige Basis der Behandlung geschaffen, kannst du begleitend noch einiges tun. So lässt sich die Therapie unterstützen, die Lebensqualität erhöhen und unter Umständen ein Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.

Unterstützung durch richtige Ernährung

Es gibt unzählige Webseiten und Bücher über die Ernährung bei Hashimoto und Schilddrüsenunterfunktion. Einige der wichtigsten Punkte findest du hier aufgelistet. Wenn du denkst, dass sie auf dich zutreffen, dann solltest du dich zu diesem Punkt näher informieren, zum Beispiel in unseren Buchtipps (siehe unten).

  • Vorsicht bei Jod: Die Zufuhr von Jod sollte bei Hashimoto gemieden werden, kann bei anderen Formen der Unterfunktion jedoch wichtig sein. Sprich im Zweifelsfall deshalb mit deinem Arzt. Jodreiche Lebensmittel sind zum Beispiel Algen, Meeresfisch, Meeresfrüchte, jodiertes Speisesalz und unter Umständen auch Milch, Milchprodukte und Eier (wenn die Tiere jodreiches Futter erhalten haben). Da vor allem Meeresfisch und Meeresfrüchte eher bedenkliche Lebensmittel sind (Schadstoffbelastung und Überfischung der Meere) und auch konventionelle Milch und Eier zurückhaltend konsumiert werden sollten, kann eine Jod-Versorgung durchaus über Nahrungsergänzung erfolgen.
  • Ausreichend Zufuhr von Selen und Zink: Selen und Zink sind notwendig, damit der Körper aus der Vorstufe T4 das wirksame Hormon T3 bilden kann. Es gibt dazu zwar noch keine offiziellen ärztlichen Empfehlungen, dennoch raten viele Experten vor allem bei Hashimoto zu einer zusätzlichen Versorgung mit Selen und Zink. Dies kann in Form von Nahrungsergänzungsmitteln erfolgen. Oder du wählst entsprechende Lebensmittel. Hoher Gehalt an Selen: Paranüsse, verschiedene Kohlsorten, Zwiebeln, Pilze, Hülsenfrüchte, Fleischprodukte und Eier. Allerdings sind die Böden in Europa relativ selenarm, so dass hier angebaute Pflanzen vergleichsweise wenig Selen enthalten. Reich an Zink sind: Hülsenfrüchte, Käse, Nüsse, Vollkorngetreide, Fleisch und Leber.
  • Vitamin D: Menschen mit Hashimoto haben oft auch einen erniedrigten Vitamin-D-Spiegel. Forscher sind sich bisher nicht einig, welche Bedeutung das hat. Es gibt keine klaren medizinischen Hinweise darauf, dass der Vitamin-D-Mangel die Schilddrüsenunterfunktion auslöst. Er könnte auch eine Folge der Schilddrüsenerkrankung sein. Es ist jedoch empfehlenswert, den Spiegel an Vitamin D bestimmen zu lassen und einen Mangel bei Bedarf auszugleichen. Das gilt speziell in den Wintermonaten, wenn keine UV-induzierte Vitamin-D-Bildung in der Haut möglich ist.
  • Antioxidantien entgiften freie Radikale: Es gibt Hinweise, dass oxidativer Stress sich negativ auf die Schilddrüse auswirkt. Oxidativer Stress wird durch freie Radikale im menschlichen Körper ausgelöst. Diese entstehen unter anderem durch Stress, Gifte ( Rauchen, Alkohol, Umweltgifte), UV-Strahlung und ungesunde Ernährung. Antioxidantien fangen diese freien Radikale ab und entgiften sie. Zu den Antioxidantien gehören Vitamin C, Vitamin E, viele Pflanzenfarbstoffe sowie Selen und Zink. Besonders reich an Antioxidantien sind farbige Früchte und Gemüse, Beeren, Tomaten, Paprika, Spinat, Brokkoli, Knoblauch, Zitrusfrüchte, Kaffee und Öle (Weizenkeimöl, Leinöl).
  • Gluten: Eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) kann in manchen Fällen mit einer Schilddrüsenentzündung einhergehen. Hast du Hashimoto und zusätzlich Verdauungsprobleme, Blähungen, Durchfall oder ähnliche Beschwerden, dann kann ein Test auf eine Glutenunverträglichkeit sinnvoll sein. Manche Alternativmediziner empfehlen auch generell, bei einer Schilddrüsenunterfunktion auf Gluten zu verzichten. Das musst du für dich selbst entscheiden oder ausprobieren, ob es dir gut tut. In Studien konnte allerdings kein positiver Effekt eines Glutenverzichts nachgewiesen werden.
  • Einnahme von L-Tyrosin, weil es an der Bildung zahlreicher Hormone und Botenstoffe beteiligt ist. In der Schilddrüse wird L-Tyrosin in die Schilddrüsenhormone L-Thyroxin (T4) und L-Triiodthyronin (T3) umgewandelt.
  • Probiotika können in manchen Fällen sinnvoll sein. Warum und wann kannst du weiter oben nachlesen, wo wir über den Zusammenhang von Darm, Darmflora und Schilddrüse schon einige wichtige Punkte berichtet haben.

Abnehmen bei Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion ist der gesamte Stoffwechsel verlangsamt. Dadurch sinkt der Grundumsatz. Deshalb nehmen Menschen mit einer Unterfunktion der Schilddrüse oft zu, selbst wenn sie gleich viel oder sogar weniger essen als ein Mensch mit Normalgewicht. Zudem fühlt man sich bei einer Schilddrüsenunterfunktion oft müde und schlapp. Das kann dazu führen, dass der Appetit auf Süßes steigt, da Zucker kurzfristig für Energie sorgt. Allerdings führt zu viel Zucker nicht nur zu einer weiteren Gewichtszunahme, sondern wirkt sich längerfristig auch negativ auf die Schilddrüsenerkrankung aus.

Das Gute: Ist deine Erkrankung mit einer Substitutionstherapie erst einmal optimal eingestellt, wird dir das Abnehmen automatisch leichter fallen. Wenn du zusätzlich auf viel Bewegung und eine ausgewogene, nicht zu kalorienreiche Ernährung achtest, sind Radikalkuren normalerweise nicht nötig.

Sport und Bewegung

Mit einer unbehandelten Schilddrüsenunterfunktion sinkt der Energielevel. Sport und Bewegung fallen oft schwer. Wird deine Erkrankung behandelt, sieht das wieder anders aus. Überfordern solltest du dich nicht, aber so bald wie möglich wieder mehr Bewegung und Sport in den Alltag integrieren. So regst du dein Immunsystem an. Zudem kann ausreichende Bewegung sogar entzündliche Prozesse im Körper hemmen.

Entspannung und Stressabbau

Wie bereits erwähnt kann chronischer Stress eine Schilddrüsenunterfunktion verschlimmern. Umgekehrt sind Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen aufgrund des Hormonungleichgewichts aber häufig auch besonders anfällig für Stress. Wichtig sind darum ausreichende Zeiten der Entspannung und ausreichender Schlaf. Zu den Themen Achtsamkeit, Gelassenheit und Entspannung geben wir dir viele Tipps in weiteren Artikeln hier in unserem Portal. Dort findest du sicher zahlreiche gute Ideen, wie du für mehr innere Ruhe und bewusste Auszeiten sorgen kannst.

Leidest du unter stressbedingten Erkrankungen, Depressionen, PTBS oder psychischen Erkrankungen, solltest du diese möglichst behandeln lassen. Denn solche Erkrankungen können zur Entstehung einer Schilddrüsenunterfunktion beitragen.

Psychosomatik – Interview mit Dr. Ruediger Dahlke

In diesem Interview-Ausschnitt spricht der naturheilkundlich arbeitende Arzt und Psychotherapeut Ruediger Dahlke über die Funktion der Schilddrüse und was man auf der Ebene der Ernährung und über die seelische Ebene ( Psychosomatik) tun kann. Dahlke erklärt die Themen, die eine Schilddrüsenerkrankung mir zeigen möchte – im Sinne von Krankheit als Symbol:

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Schilddrüsenüberfunktion Symptome und Behandlung

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion bildet die Schilddrüse zu viele Hormone. Die Hauptursachen dafür sind Morbus Basedow und die Autonomie der Schilddrüse.

Hier erfährst du, wie beide Formen behandelt werden.

Was bedeutet Schilddrüsenüberfunktion?

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) werden übermäßig viele Schilddrüsenhormone gebildet. Die Hormone Tetrajodthyronin (T4, Thyroxin) und Trijodthyronin (T3) beeinflussen den gesamten Organismus und sind Teil eines komplexen Regulationssystems, zu dem auch viele andere Hormone und Signalstoffe gehören. T3 und T4 regulieren zum Beispiel die Verstoffwechselung von Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten. Dabei fördern sie den Umsatz der Kohlenhydrate und die Aufnahme von Glukose im Körper. Sie steigern die Wärmeproduktion, den Sauerstoffverbrauch, den Blutdruck und den Herzschlag.

Eine Überproduktion dieser Hormone führt deshalb zu Symptomen wie Zittern, Nervosität, Herzklopfen, Gewichtsabnahme und Schwitzen. Außerdem beeinflussen die Schilddrüsenhormone aber auch den Stoffwechsel im Gehirn und wirken damit auf die Psyche ein. Eine vermehrte Hormonproduktion kann nervös und ängstlich machen oder zu Reizbarkeit und Aggression führen. Betroffene sind unter Umständen sehr schreckhaft und leicht zu irritieren. Eine Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion ist deshalb nicht nur für den Körper wichtig, sondern verbessert auch das psychische Wohlbefinden.

Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion: Warum ist man betroffen?

Um eine Schilddrüsenüberfunktion optimal behandeln zu können, ist es wichtig, die Ursache zu kennen. Beim überwiegenden Teil der Menschen mit einer Hyperthyreose liegt Morbus Basedow oder eine Autonomie der Schilddrüse zu Grunde.

Morbus Basedow: Eine Autoimmunerkrankung steigert die Hormonproduktion

Bei Morbus Basedow (Basedowsche Erkrankung) produziert das Immunsystem Antikörper, die an bestimmte Rezeptoren der Schilddrüse binden. Dort wirken sie ähnlich wie TSH (Thyreotropin), welches von der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) gebildet wird und die Bildung der Hormone T3 und T4 in der Schilddrüse anregt. Dadurch ist bei Morbus Basedow der natürliche Regelkreis gestört und es kommt zu einer vermehrten Ausschüttung der Schilddrüsenhormone.

Der Morbus Basedow äußert sich nicht nur im Bereich der Schilddrüse. Häufig (aber nicht immer) sind auch die Augenhöhlen betroffen, was zu Augenreizungen und schlimmstenfalls zum Hervortreten der Augen (Exophthalmus) führen kann. Auslöser sind Veränderung der Muskeln und des Bindegewebes hinter dem Auge. Experten vermuten, dass die gebildeten Antikörper nicht nur an der Schilddrüse, sondern auch am Gewebe des Augapfels binden können. In manchen Fällen ist auch die Haut am Unterschenkel im Rahmen eines sogenannten prätibialen Myxödem angeschwollen.

Ursache von Morbus Basedow ist ein Defekt des Immunsystems. Die Erkrankung kann gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen (Typ-1- Diabetes, Myasthenia gravis, Lupus erythematosus und andere) auftreten. Allerdings kommen zu den genetischen Voraussetzungen äußere Einflüsse dazu, die die Erkrankung begünstigen und zum Ausbrechen bringen können. Dazu gehören unter anderem Umwelteinflüsse, Rauchen und Infekte. Einer der Hauptfaktoren scheint jedoch psychischer, körperlicher und emotionaler Stress zu sein. Es kommt häufig vor, dass die Beschwerden erstmals in Zeiten großer Belastungen auftreten, zum Beispiel nach einem Todesfall oder bei starkem beruflichen Stress.

Autonomie: Bestimmte Bereiche der Schilddrüse produzieren vermehrt Hormone

Die Autonomie ist die häufigste Ursache der Schilddrüsenüberfunktion. Bei einer Autonomie der Schilddrüse gibt es einzelne Bereiche, die autonom (also unabhängig) von Regelmechanismen des Körpers agieren. Liegen diese Bereiche als deutlich abgegrenzte, hoch aktive Areale vor, spricht man auch von „heißen Knoten“. Diese Regionen unterliegen nicht mehr der Steuerung durch die Hypophyse und produzieren stetig Hormone. Die restliche Schilddrüse kann diese Überproduktion manchmal kompensieren, indem dort die Produktion heruntergefahren wird. Symptome wie Nervosität, Aggressivität, Wärmeempfindlichkeit, Schwitzen oder Herzklopfen treten erst auf, wenn die Überproduktion nicht mehr ausgeglichen werden kann.

Die Ursache einer Schilddrüsenautonomie hängt eng mit dem chemischen Element Jod zusammen. Hierzulande sind die Böden und damit auch die dort angebauten Nahrungsmittel sehr jodarm. Ausreichend Jod liefern nur wenige Lebensmittel, zum Beispiel Seefisch, Meeresfrüchte, Algen oder Jodiertes Speisesalz. Die Schilddrüse benötigt Jod zur Bildung der Schilddrüsenhormone: T4 enthält vier, T3 enthält drei Moleküle Jod. Ein länger andauernder Jodmangel führt zu einer Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) und in manchen Fällen zur Bildung von Knoten. Dadurch versucht der Körper den Mangel auszugleichen und Jod effektiver zu nutzen. In den aktiven Regionen wird vermehrt Jod aufgenommen und in Hormone eingebaut. Erhöht sich nun die Jodversorgung oder werden jodhaltige Medikamente verabreicht, entsteht die Schilddrüsenüberfunktion.

Seltene Ursachen für eine Schilddrüsenüberfunktion

Neben der Autonomie und Morbus Basedow gibt es noch weitere, zum Teil sehr seltene Formen der Schilddrüsenüberfunktion.

  • Schilddrüsentumore können zu einer Überproduktion von Schilddrüsenhormonen führen.
  • Vorübergehende Schilddrüsenüberfunktionen entstehen manchmal im ersten Drittel der Schwangerschaft, zu Beginn einer Schilddrüsenentzündung oder in der Anfangsphase der Hashimoto-Thyreoiditis.
  • Wird bei einer Schilddrüsenunterfunktion zu viel Hormon substituiert, kann eine Hyperthyreose entstehen. Diese verschwindet nach Anpassung der Dosis.
  • Schilddrüsenentzündungen können ebenfalls zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen.
  • Sehr selten ist eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen angeboren.

Was ist eine subklinische Schilddrüsenüberfunktion und sollte sie behandelt werden?

Mediziner sprechen von einer latenten Schilddrüsenüberfunktion, wenn der TSH-Wert erniedrigt ist (unter 0,3 mU/l), die Hormonwerte (T3 und T4) jedoch normal sind. Subklinisch ist eine Schilddrüsenüberfunktion immer dann, wenn einer oder mehrere Werte verändert sind, jedoch keine Symptome bemerkbar sind.

Auch wenn Betroffene keine Beschwerden haben und die Schilddrüsenüberfunktion nur zufällig bei Laboruntersuchungen gefunden wird, kann eine Behandlung dennoch sinnvoll sein (20). Eine Hyperthyreose kann nämlich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für Alzheimer- Demenz steigern. Bei Frauen nach den Wechseljahren erhöht sich zudem das Risiko für Osteoporose und damit verbundene Knochenbrüche. Oft sind Symptome möglicherweise auch so unspezifisch, dass sie von Betroffenen nicht erkannt oder auf das Alter oder die Wechseljahre geschoben werden. Das betrifft zum Beispiel Beschwerden wir Unruhe, Gereiztheit, psychische Verstimmungen oder Schlaflosigkeit.

Bei normalen T4-Wert, wenn die Schilddrüse nicht vergrößert ist und keine Knoten vorliegen, kann mit einer Therapie auch zunächst abgewartet werden. Das entscheidet der Arzt je nach Geschlecht, Alter und Allgemeinzustand individuell.

Behandlung von Schilddrüsenüberfunktionen

Im Folgenden findest du die Möglichkeiten zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion kurz erklärt. Weiter unten kannst du nachlesen, wie diese Therapiemöglichkeiten bei Basedow und Autonomie jeweils angewendet werden.

Thyreostatika: medikamentöse Drosselung der Hormonproduktion

Thyreostatika (auch Schilddrüsenblocker genannt) sind Wirkstoffe, die den Spiegel der Schilddrüsenhormone senken. Häufig werden Präparate mit Thiomazol oder Carbimazol eingesetzt, die den Einbau von Jod in die Schilddrüsenhormone hemmen und auf diesem Weg die Hormonproduktion drosseln.

Die Ursache für die Erkrankung wird dadurch aber nicht behoben. In vielen Fällen ist diese Behandlung nur die Basis für weitere Therapien, indem zunächst eine normale Hormonkonzentration wiederhergestellt wird. Da die Therapie mit Thyreostatika schwere Nebenwirkungen haben kann, wird sie in der Regel nicht länger als 18 Monate lang eingesetzt. In einigen Fällen rät der Arzt auch gleich zu einer sogenannten definitiven Therapie (Operation oder Radiojod-Therapie, siehe unten).

Radiojod-Therapie

Die Radiojod-Therapie gehört zu den definitiven Therapien bei Schilddrüsenüberfunktion und wirkt dauerhaft. Für die Therapie wird radioaktives Jod als Kapsel zum Schlucken oder in Form einer intravenösen Injektion eingesetzt. Vor der Behandlung nimmt der Patient einige Zeit möglichst wenig Jod auf. Nach Gabe des radioaktiven Jods wird dieses von der Schilddrüse aufgenommen. Im Falle des Morbus Basedow wird Jod von allen Bereichen der Schilddrüse aufgenommen. Bei der Autonomie ist die höchste Rate der Aufnahme in den überaktiven Bereichen der Schilddrüse. Die Zellen werden durch die radioaktive Strahlung geschädigt und vom Körper abgebaut. Dadurch sinkt die Hormonproduktion dauerhaft ab.

Eine häufige Nebenwirkung ist die Schilddrüsenunterfunktion. Durch die Zerstörung des aktiven Schilddrüsengewebes ist später in vielen Fällen eine dauerhafte Substitution von Schilddrüsenhormonen nötig.

Ist die Strahlenexposition bei der Radiojodid-Therapie gefährlich?

Die Strahlenabgabe des verwendeten Jods ist vergleichsweise gering und dringt nur wenige Millimeter in den Körper ein. Allerdings werden dennoch Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Erwägst du eine solche Behandlung, musst du mit einem Krankenhausaufenthalt von zwei bis fünf Tagen rechnen. In dieser Zeit wirst du in Deutschland aus Strahlenschutzgründen isoliert in einer Spezialabteilung untergebracht. In anderen Ländern wie Österreich wird die Behandlung jedoch auch ambulant durchgeführt.

Für Schwangere und Stillende eignet sich die Therapie nicht. Die Behandlung kann Nebenwirkungen wie Schilddrüsenentzündung, Mundtrockenheit und Schluckbeschwerden haben. In einigen Studien wird ein leicht erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs durch die radioaktive Strahlung beschrieben (21), während andere Studien dies nach Langzeitbeobachtungen jedoch nicht bestätigen.

Operative Entfernung der Schilddrüse

Bei dem Eingriff wird die Schilddrüse ganz oder teilweise entfernt. Je nach Art und Grad der Erkrankung wird in der Regel ein mehr oder weniger großer Rest der Schilddrüse im Körper belassen. Dieser kann weiter Hormone bilden (22). Allerdings wird meist so viel entfernt, dass die Überproduktion sicher behoben ist. Dadurch liegt im Anschluss in der Regel eine Schilddrüsenunterfunktion vor, die durch die Einnahme von Schilddrüsenhormonen ein Leben lang ausgeglichen werden muss. Zu den Risiken der Operation gehört eine Verletzung des Stimmbandnervs oder der Nebenschilddrüse.

Operation und Radiojod-Behandlung im Vergleich: Wann ist welche Therapie sinnvoll?

Wer keine Radiojod-Therapie wünscht, für den ist die einzige verfügbare Alternative eine Operation. Auch bei schwangeren Frauen stellt sie die einzige Therapieoption dar. Eine operative Entfernung oder Verkleinerung der Schilddrüse ist auch dann angezeigt, wenn eine vergrößerte Schilddrüse auf die Luftröhre drückt, sehr viele, aktive Knoten vorliegen oder wenn der Verdacht auf einen bösartigen Tumor besteht. Generell ist eine Operation auch sinnvoll, wenn eine besonders schnelle Reduktion der Schilddrüsenhormone nötig ist.

Bei der Behandlung mit Radiojod entfällt dafür das Risiko einer Operation und Narkose. Auch Verletzungen umliegender Strukturen (Stimmbänder, Nebenschilddrüsen), die bei einer Operation vorkommen können, sind bei der Radiojod-Therapie nicht möglich. Es entstehen außerdem keine Narben.

Besonderheiten der Behandlung bei einer Autonomie der Schilddrüse

Eine Autonomie der Schilddrüse heilt leider nicht von selbst wieder aus. Einmal vorhanden, kehrt das überaktive Gewebe nicht zu seiner normalen Funktion zurück. Darum wird hier die Therapie mit Medikamenten oft nur vorübergehend zur Linderung der Symptome und zur Stabilisierung des Stoffwechsels eingesetzt. Danach ist in der Regel eine definitive Therapie, also die Radiojod-Therapie oder eine operative Entfernung der Schilddrüse, notwendig.

Liegen einzelne, klar definierte Knoten vor, können manchmal auch andere Alternativen eingesetzt werden. Diese schädigen das krankhafte Gewebe durch Hitze oder chemische Prozesse so stark, dass es vom Körper abgebaut wird. Vor- und Nachteile, Möglichkeiten und Grenzen dieser Methoden solltest du am besten mit einem erfahrenen Facharzt besprechen, da es zu diesen Verfahren bisher noch keine umfassenden wissenschaftlichen Daten gibt.

Folgende Methoden kommen in Frage (23):

  • Alkoholinjektion: Die Injektion von Ethanol kann Schilddrüsengewebe zum Absterben bringen.
  • Thermoablation: Je nach Methode wird eine dünne Sonde in den Knoten eingeführt oder die Schilddrüse von außen bestrahlt. Das Gewebe erhitzt sich und wird so geschädigt. Dabei kann die Hitze durch Strom (Radiofrequenzablation), durch Mikrowellen, Ultraschall oder Laser erzeugt werden.

Besonderheiten der Behandlung bei Morbus Basedow

Morbus Basedow kann in rund der Hälfte der Fälle wieder zurückgehen. Deshalb wir hier für mindestens ein Jahr (manchmal auch bis zu 18 Monate lang) eine Therapie mit Thyreostatika durchgeführt (24). Bei jedem zweiten Betroffenen kehrt die Überfunktion nach Abschluss der Behandlung nicht wieder zurück. Der anderen Hälfte der Betroffenen wird anschließend in der Regel eine Radiojod-Therapie oder Operation empfohlen.

Bei Morbus Basedow kommen zusätzlich zur Schilddrüsentherapie manchmal auch Betablocker zum Einsatz. Sie hemmen die Wirkung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin und wirken so gegen einen erhöhten Blutdruck, Zittern und einen beschleunigten Herzschlag.

Behandlung der Augen bei Morbus Basedow

Morbus Basedow geht in vielen Fällen mit Augenbeschwerden einher (25,26). Dazu gehören Schwellungen um die Augen, Entzündungen, Augentrockenheit, Lichtempfindlichkeit, tränende Augen oder ein Fremdkörpergefühl. In manchen Fällen kommt es zur Verschlechterung des Sehens oder zum Doppelbildsehen.

Sind die Augen bei Morbus Basedow betroffen, geben Experten einige gesonderte Empfehlungen. Lokale Maßnahmen wie beruhigende Augentropfen oder Augensalben und Sonnenbrillen können Augenreizungen vermindern. Die Patienten sollten zudem nicht rauchen und Selen einnehmen. In schweren Fällen kann eine zusätzliche Gabe von Glukokortikoiden (Kortison) helfen. Nur selten ist der Verlauf so schwer, dass zur Verminderung des Drucks am Auge oder zur Behebung von Sehstörungen eine Operation vorgenommen werden muss. Da sich die Beschwerden nach einer Radiojod-Therapie (manchmal auch nach einer Schilddrüsenoperation) oft verschlechtern, wird der Arzt die Behandlung und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen genau abwägen.

Was tun bei Schilddrüsenüberfunktion: So kannst du deinen Körper unterstützen

Zusätzlich zur Therapie und damit die Behandlung optimal wirkt, kannst du selbst einige Maßnahmen ergreifen. Mit diesen Maßnahmen kannst du deine Schilddrüse und deinen Körper bei der Selbstheilung optimal unterstützen.

Reduzierte Jodaufnahme

Stark jodhaltige Lebensmittel wie Seefisch, Meeresfrüchten und Algen sollten bei Schilddrüsenüberfunktion gemieden werden. Auch Behandlungen mit jodhaltigen Arzneimitteln (das Herzmedikament Amjodaron, manche Kontrastmittel) dürfen nur nach Rücksprache mit dem Arzt durchgeführt werden. Zudem solltest du ein Speisesalz wählen, dem kein Jod zugesetzt wurde. Auch manche Mineralwässer enthalten Jod. Ganz lässt sich die Jodaufnahme nie vermeiden, denn in vielen Fertigprodukten und Backwaren wird Jodsalz verwendet. Außerdem wird Tiermastfutter oft mit Jod versetzt, wodurch tierische Produkte wie z.B. Eier einen erhöhten Jodgehalt aufweisen. In der Regel sind solche kleineren Mengen auch nicht kritisch. Nur die übermäßige Zufuhr sollte vermieden werden.

Ausreichende Selenzufuhr

Eine zusätzliche Gabe von Selen wird besonders bei Morbus Basedow von vielen Ärzten standardmäßig verordnet. Zahlreiche Studien zeigen den Nutzen einer Selengabe, vor allem bei leichteren Formen der Schilddrüsenüberfunktion. Selen kann die subjektive Lebensqualität verbessern, das Auftreten von Augenerkrankungen vermindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Die Wirkung von Thyreostatika ist bei ausreichender Selenzufuhr ebenfalls oft besser. Der Grund scheint die antioxidative Wirkung des Mineralstoffs zu sein, die die Produktion von bestimmten Entzündungsbotenstoffen hemmt.

Erhöhter Calciumbedarf

Auch der Knochenstoffwechsel ist bei einer Schilddrüsenüberfunktion beschleunigt, wodurch vermehrt Calcium gebraucht wird. Eine Nahrungsergänzung könnte somit erforderlich werden.

Vitamin-D-Mangel beheben

Gerade Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion gehen oft nicht gern in die Sonne, da sie hitzeempfindlich sind und leicht schwitzen. Dadurch fällt auch die Möglichkeit weg, ausreichend Vitamin D zu bilden. Vitamin D hat eine immunmodulierende Wirkung. Eine ausreichende Versorgung kann sich deshalb bei Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow positiv auswirken. Eine Einnahme von Vitamin D, aber auch anderer Mikronährstoffe, sollte nur bei einem nachgewiesenen Mangel erfolgen.

Mikronährstoffe für die Schilddrüse und das Immunsystem

Nicht nur Selen, Vitamin D und Calcium sind für eine normale Schilddrüsen- und Immunfunktion von Bedeutung, sondern zahlreiche andere Mikronährstoffe. Leere Mikronährstoff-Speicher können die Schilddrüsenfunktion und das Immunsystem negativ beeinflussen. Daher ist anzuraten, einen Mikronährstoff-Status durchführen zu lassen und wenn Mängel nachgewiesen werden, diese mittels geeigneter Präparate gezielt aufzufüllen. Dazu ist es wichtig, einen Spezialisten (Orthomolekularmediziner) aufzusuchen, der dich durch eine solche Therapie begleitet.

Ernährung bei Schilddrüsenüberfunktion

Bei einer Überfunktion der Schilddrüse läuft der Stoffwechsel auf Hochtouren. Trotz Heißhunger verlieren viele Betroffenen an Gewicht. Das ändert sich, sobald die Schilddrüsenwerte auf einen gesunden Wert eingestellt werden konnten. Bis dahin ist eine ausreichende Zufuhr von Kalorien wichtig. Aber nicht in Form von gesättigten Fetten und Zucker, sondern am besten in gesunder Form: hochwertige pflanzliche Öle, Nüsse, Avocados, Oliven, Trockenfrüchte, Bananen und Vollkornteigwaren liefern Kalorien und zugleich auch wertvolle Nährstoffe.

Cola, Kaffee, Energydrinks und Alkohol solltest du meiden. Koffeinhaltige Getränke kurbeln den sowieso schon sehr aktiven Stoffwechsel noch stärker an. Ähnliches gilt auch für Alkohol.

Nicht rauchen

Vor allem bei Morbus Basedow hat sich das Rauchen als ein großer Risikofaktor erwiesen. Studien zeigten, dass Rauchen nicht nur die Entstehung der Erkrankung begünstigt, sondern auch mit der Entwicklung von Augenerkrankungen bei Morbus Basedow verbunden ist (27).

Schilddrüsenüberfunktion und die Psyche

Viele Erfahrungsberichte und Studien zeigen, dass der Ausbruch einer Schilddrüsenüberfunktion oft mit Stress einhergeht (28). Traumatische Erlebnisse, Dauerstress im Job oder Schicksalsschläge können mögliche Auslöser sein. Auch bei einer bereits bestehenden Schilddrüsenerkrankung wirkt sich Stress negativ aus. Stressabbau oder eine psychotherapeutische Behandlung sind deshalb sehr sinnvoll, falls du unter chronischem Stress oder psychischen Belastungen leidest.

Sport und Muskelaufbau

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion nimmt man oft ungewollt ab. Das kann auch mit einem Abbau an Muskelmasse verbunden sein. Deshalb ist es wichtig, die Muskeln aufzubauen. Am besten mit einem gezielten Krafttraining.

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Quellenangaben

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  4. Dosiou C. Thyroid and FertilityRecent AdvancesThyroid. 2020 Apr;30(4):479-486. 
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Dr. Silvia Nold ist promovierte Biologin und hat eine abgeschlossene Ausbildung als pharmazeutisch-technische Assistentin mit Schwerpunkt Ernährungslehre. Sie war mehrere Jahre in der medizinischen Diagnostik tätig. Dr. Nold schreibt für Lanaprinzip Publishing e.U. über Themen der Biologie, Medizin und Ernährung.